Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

5.  Die  deutsche  Handlungsgehilfen-Bewegung  und  ihre  Träger.  151

Handel  zum  Welthandel.  Diese  Position,  welche  uns  der  deutsche  Reisende  mitgeschafsen,
  können  wir  nur  bei  großer  Gesinnung  uns  erhalten.  Es  ist  ein  Glück,  daß
wir  aufs  Meer  gewiesen  wurden  und  den  deutschen  Schiffen,  unter  dem  Schutze  einer
stolzen  Seewehr,  die  Zukunft  gehört!  Wir  atmen  nun  endlich  auch  etwas  von  dem
„geistigen  Seeklimä",  wie  Prof.  Ratzel  gesagt  hat.  Das  wird  uns  Kraft  verleihen
Wir  blicken  froh  in  die  Zukunft!  HeilDeutschlandhierundallerwärts!

5.  Die  deutsche  Handlungsgehilfen-Bewegung
und  ihre  Träger.
Von  A.  Zimmermann.
Zimmermann,  Die  Handlungsgehilfen-Bewegung.  In:  Organisation.  12.Jahrgang. ­
  Redaktion:  Ullrich.  Berlin,  Hans  Th.  Hoffmann,  1910.  S.  162—164.
Bei  der  Natur  der  Deutschen  ist  es  selbstverständlich,  daß  es  in  Deutschland
Handlungsgehilfen-Vereine  ungefähr  eben  so  früh  gegeben  hat,  als  Handlungsgehilfen
in  bemerkenswerter  Anzahl  existiert  haben.  So  wurde  schon  vor  170  Jahren,  im
Jahre  1742  in  Nürnberg  ein  Unterstützungsverein  für  Handlungsdiener  gegründet.
Auch  der  noch  bestehende  Verein  für  hilfsbedürftige  Handlungsdiener  in  Breslau
geht  bis  1774  zurück.  Eine  eigentliche  Handlungsgehilfen  -  Bewegung  ist  aber
erst  in  der  zweiten  Hälfte,  ja  genau  genommen,  erst  im  letzten  Viertel  des  vorigen
Jahrhunderts  entstanden.  Damals  erst  hatte  sich  mit  der  Entwicklung  des  deutschen
Handels  und  der  deutschen  Industrie  ein  eigentlicher  Stand  der  Handlungsgehilfen
gebildet.  Der  junge  Kaufmann  konnte  nicht  mehr  darauf  rechnen,  selbständig  zu
werden,  der  Handlungsgehilfenberuf  hörte  auf,  ein  Durchgangsstadium  zu  sein,  er
wurde  für  etwa  80  %  der  kaufmännischen  Angestellten  zum  Lebensberuf.  Natürlich
stiegen  damit  die  Forderungen  und  Ansprüche  der  Handlungsgehilfen.  Der  Mensch,
der  gern  einige  Jahre  hindurch  unter  recht  bescheidenen  Verhältnissen  zu  leben  bereit
ist,  verliert  diese  Bereitwilligkeit,  wenn  sich  diese  bescheidenen  Verhältnisse  auf  die
ganze  Lebensdauer  zu  erstrecken  drohen.  —  Ein  einfacher  Gedankengang!  Und  doch
hat  es  recht  lange  gedauert,  bis  dieser  Gedankengang  Allgemeingut  der  beteiligten
Kreise  geworden  ist.
Den  Gründern  des  ersten  der  modernen  kaufmännischen  Vereine,  des  Vereins ­
  für  Handlungs-Commis  von  1858  zu  Hamburg  lagen  derartige
Ideen  noch  vollständig  fern.  Sie  wollten  den  Handlungsgehilfenstand  von  dem  Krebsschaden ­
  der  gewerbsmäßigen  Stellenvermittler  befreien,  weil  diese  dem  Gehilfen,
der  auf  sie  angewiesen  war,  oft  übel  mitspielten.  So  wurde  die  Stellenvermittlung ­
  der  Hauptzweck  des  58er  Vereins,  wie  er  abgekürzt  im  Kaufmannsstande ­
  genannt  wird.  Weil  ein  Stellenvermittlungsverein  feine  Aufgabe  am  leichtesten ­
  erfüllen  kann,  wenn  er  gute  Beziehungen  zur  Prinzipalität  unterhält,  so  räumte
der  Verein  den  Prinzipalen  weitgehende  Rechte  ein.  Sie  erhielten  nicht  nur  volles
Stimmrecht,  sondern  die  oberste  Leitung  des  Vereins  (der  Vorsitz  im  Aufsichtsrat)
wurde,  wie  es  scheint,  grundsätzlich  in  die  Hände  eines  Hamburger  Prinzipals  gelegt.
Dieser  Überlieferung  ist  der  Verein,  der  lange  Zeit  hindurch  der  größte  kaufmännische
Verein  der  Welt  war,  bis  in  die  letzten  Jahre  hinein  treu  geblieben.  Eine  Gegenströmung, ­
  die  in  Berlin  ihren  Herd  hat,  und  die  nach  einer  Ausschaltung  des  Prinzipalseinflusses ­
  strebt,  konnte  bisher  keine  wesentlichen  Erfolge  erreichen.
Eine  etwas  andere  Richtung  vertrat  der  Verein  der  Deutschen  Kaufleute, ­
  der  sich  1873  als  ein  Zweig  der  Hirsch-Dunckerschen  Gewerkvereine  in  Berlin
gründete.  Er  betonte  besonders  die  Wichtigkeit  von  Hilfskassen,  führte  auch  die
            
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