Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

1. Das Geschäft. 
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sicher — zahlreicher Möglichkeiten, einen Einblick in den Geschäftsbetrieb des fremden 
Kaufmanns zu gewinnen. Und diese Machtfülle, die aus der natürlichen Eigenart 
der chinesischen Verhältnisse gewissermaßen herausgewachsen ist, wird planmäßig 
dadurch gesteigert, daß sich das Organisationsgeschick der Chinesen auch hier betätigt. 
Während ein scharf zugespitzter Konkurrenzneid jeden fremden Kaufmann mehr oder 
minder isoliert, läßt das nüchtern anerkannte gemeinsame Interesse die Kompradore 
in geschäftlicher Fühlung miteinander bleiben. Den zersplitterten Kräften der Aus 
länder kann daher auch hier, innerhalb des eigenen Geschäftes des fremden Kauf 
manns, ein geschlossener und daher meist unüberwindlicher Widerstand, der nicht 
einmal als solcher immer zu erkennen ist, entgegengesetzt werden. Am weitesten 
scheint das im Süden, gleichsam an der Geburtsstätte des Kompradors, in Kanton 
und Hongkong, entwickelt zu fein; jedenfalls ist dort die Organisation am besten 
nachweisbar. In Mittel- und Nord-China ist sie vielleicht noch etwas zurückgeblieben; 
das dürfte wohl damit im Zusammenhang stehen, daß die fremden Kaufleute anfangs 
ihre chinesischen Angestellten, insbesondere Kompradore, aus Bequemlichkeitsgründen 
regelmäßig aus dem Süden bezogen. Diese wurden allerdings schon durch die 
gemeinsame Abstammung aus einer fremden Provinz zusammengehalten. Aber die 
organisierten ortsangesessenen Kaufleute suchten sich dieser unbeliebten Eindringlinge 
zu entledigen. Diese Emanzipationsbewegung, die heute, insbesondere im Pangtsetal, 
zum Abschluß gekommen zu sein scheint, lähmte begreiflicherweise das Streben nach 
Zusammenschluß: sie lähmte es, beseitigte es jedoch nicht. Wo daher bisher der Zu 
sammenhalt der Kompradore noch mangelhaft ist, dürfte er in Zukunft noch stärker 
hervortreten. 
Es ist selbstverständlich, daß diese große natürliche und noch künsüich gesteigerte 
wirtschaftliche Machtfülle in den Händen der Kompradore nicht unbenutzt gelassen 
wird. Das beweisen auch die Erfolge. Sehr häufig wird der chinesische Angestellte 
beim gemeinschaftlichen Geschäfte fetter als fein Chef, der fremde Kaufmann. Daß 
er an allen Abschlüssen ebensoviel verdient als dieser, wird auch in China kaum noch 
bestritten: nur darüber ist kürzlich eine kleine Zeitungsfehde im fernen Osten ent 
brannt, ob es wahr ist, was ein sehr erfahrener fremder Kaufmann jüngst behauptet 
hat, daß der Komprador stets das Doppelte verdient. Es ist deshalb auch nicht ver 
wunderlich, daß die Kapitalkraft des Chinesen die des Fremden vielfach übersteigt. 
Ebensowenig ist es aber auch verwunderlich, daß der Komprador, der so stattliche 
Nebenverdienste sich zu beschaffen weiß, in allen vertraglichen Einzelverpflichtungen 
sich den vielgerühmten Luxus peinlichster Ehrlichkeit leisten kann, zumal da er klar 
erkannt hat, daß auf diesem beschränkten Feld der alte Spruch: „Ehrlich währt am 
längsten" gilt. 
VII. Der Betrieb des Handels. 
Vorbemerkung. Zu diesem Abschnitte sind auch Goethes „Gedanken über den Handel 
und den Betrieb des Handels" S. 52—53 zu vergleichen. — G. M- 
1. Das Geschäft. 
Von Max Haushofer. 
Haushofer, Wirtschastslehre der Haupterwerbszweige. In: Maier-Rothschild, 
Handbuch der gesamten Handelswissenschaften. 1. Bd. 121.—130. Tausend. Berlin, Verlag 
für Sprach- und Handelswissenfchaft (S. Simon), 1910. S. 318—320. 
Begriff und Wesen. Der Kaufmann versteht unter dem Ausdrucke Ge 
schäft sowohl den ganzen geschäftlichen Betrieb eines einzelnen oder
	        
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