Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

3.  Der  kaufmännische  Briefstil.

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Zu  3.  Sprachwidrige  Worte,  unschöne  Worte  müssen  gleichfalls  verschwinden,
z.  B.  Worte  wie  antwortlich,  Jnbetrachtnahme,  Entgegensehung,  das  wahrscheinlich
der  Vorsehung  nachgebildet  ist,  inhaltlich,  obig,  nebig;  mit  gleichem  Rechte  könnte
man  untig,  rechtig,  linkig  und  andere  derartige  geschmacklose  Wortbildungen  gebrauchen. ­

Zu  4.  Auch  kaufmännische  Briefe  mit  vielen  Worten  und  wenig  Inhalt  sind
verwerflich.  Es  gibt  Kaufleute,  die,  wenn  die  Schleusen  der  Schreibsamkeit  geöffnet
sind,  Seiten  herunterschreiben  über  Dinge,  die  ein  klarer  Kopf  in  zwei  Zeilen  ausdrückt. ­
  Die  Rücksicht  auf  die  eigene  Zeit  oder  doch,  wenn  sie  selbst  genügend  haben,
auf  die  Zeit  derer,  die  solche  Briefe  lesen  müssen,  sollte  solche  Vielschreiber  zur  Kürze
mahnen.  Freilich,  ein  kurzer  Brief  ist  manchmal  schwerer  zu  schreiben  als  ein  langer.
Friedrich  der  Große  soll  einmal,  als  er  über  die  Länge  eines  eben  vollendeten
Briefes  erschrocken  war,  in  einer  Nachschrift  gesagt  haben:  „Entschuldige  diesen  langen
Brief,  aber  ich  hatte  keine  Zeit,  einen  kurzen  zu  schreiben".  Auf  kaufmännische
Briefe  paßt  das  Leitwort:
„Kurz  und  bündig,  klar  und  findig,
Triff  den  Kern,  so  hat  man's  gern".
Ich  fasse  mich  dahin  zusammen:  Es  ist  anzustreben,
1.  daß  man  nicht  im  Text,  d.  h.  am  Anfange  des  Briefes  sagt  „Antwortlich"
oder  „Unter  Bezugnahme"  oder  „Zurückkommend"  usw.,  sondern  daß  man  oben  links
etwa  unter  der  gedruckten  Firma  sagt:  „Betrifft  unser  Schreiben  oder  Ihr  Schreiben
vom  .  .  ."  oder:  „Betrifft  den  und  den  Gegenstand".  Um  jedesmal  daran  erinnert  zu
werden,  sollte  dieses  „Betrifft"  vorgedruckt  fein;
2.  daß  sprachwidrige  deutsche  Worte  und  gedankenlose  falsche  Satzbildungen
vermieden  werden;
3.  daß  Fremdwörter  nur  dann  erlaubt  sind,  wenn  der  gleiche  Sinn  nicht
ebensogut  in  deutscher  Sprache  ausgedrückt  werden  kann;
4.  eine  kurze  und  bündige  Fassung  der  Briese  in  kernigen,  knappen  Sätzen  und
klarer  Ausdrucksweise;
5.  daß  keine  Worte,  die  lediglich  den  Ausdruck  überflüssiger  Höflichkeit  bilden,
gebraucht  werden;
6.  daß  Briefe  nicht  mit  Ergebenheits-,  Achtungs-  und  Hochachtungs-Beteurungen,
die  nur  eine  Formsache  sind,  sondern  mit  der  einfachen  Unterschrift  schließen  sollen.
Welche  Mittel  haben  wir  nun,  um  in  dieser  Hinsicht  erzieherisch  zu  wirken?
Der  Deutsche  Handelstag  muß  einstimmig  den  Wunsch  aussprechen,  daß  Wandel
geschaffen  werde.  Von  diesem  Beschluß  ist  allen  Kammern,  allen  kaufmännischen
Vereinen,  besonders  aber  den  Handelsfachschulen  und  Handelsschulen  Kenntnis  zu
geben,  mit  der  Bitte  um  Unterstützung.
Es  sollte  ferner  eine  Vereinigung  gebildet  werden  zur  Reinigung,  Verbesserung
und  Vereinfachung  des  kaufmännischen  Briefstils.  Ich  stelle  mir  diese  Vereinigung
so  vor,  daß  jede  Kammer  eine  Liste  anlegt  mit  den  Namen  der  Firmen  ihres
Bezirks,  die  sich  dieser  Vereinigung  anschließen.  Um  vorzubeugen,  daß  die  Kürze
des  Briefes  und  der  Mangel  an  Ausdrücken  der  Hochachtung  nicht  als  Beleidigung
aufgefaßt  werden,  empfiehlt  es  sich,  wenigstens  im  Anfange,  jedem  dieser  Briefe  einen
Zettel  beizulegen  oder  anzuheften,  auf  dem  die  Zugehörigkeit  zu  dieser  Vereinigung
angegeben  ist.  Damit  würde  auch  den  Mitgliedern  dieser  Vereinigung  ein  gelinder
Zwang  auferlegt,  die  Briefe  nun  so  zu  schreiben,  daß  keine  Ausstellungen  gemacht
werden  können.
Es  muß  schließlich  ein  billiges  Heftchen  beschafft  werden,  in  dem  alle  die  ersetzbaren ­
  Fremdwörter  mit  der  entsprechenden  deutschen  Bezeichnung  aufgeführt,  in  dem
Musterbriefe  enthalten  sind,  häufig  gebrauchte  sprachwidrige  Worte,  Beispiele  von
            
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