I.
Taucht das Wort „Wirtschaftsleben“ in der fließenden Rede auf,
dann ist es geistig wie umschwirrt von einer Fülle lebhafter Vorstellungen:
Verkehr, Treiben auf den Märkten, Auf und Nieder der Preise,
Umlauf des Geldes, Wanderung der Kapitalien, Vermögensaufstieg und
-verfall, Gedeihen und Niedergang der Banken, Handelshäuser, Fabriken,
Reedereien, Wettbewerb, Zusammenschluß von Unternehmern und Arbeitern,
Lohnkämpfe, Streiks, Aufschwung überhaupt oder Stockung 1 Dies
alles aber, so scheint es, hält jenes Wort bloß als Inbegriff zusammen; oder
doch nur als der unklare Gedanke von einer Bewegung, die jene Vorgänge
sämtlich in sich aufhebt und mit sich reißt. So gilt es wenigstens
für die Allgemeinheit. Man gebraucht dieses Wort recht gern,
aber man denkt sich nicht viel dabei.
Ich hingegen denke mir recht viel dabei. Einmal schon nehme
ich dieses Wort fachlich ernst. Ich bedarf seiner gleich für die erste
Stellungnahme zu der Wissenschaft, die ich Nationalökonomie nenne;
daneben trägt sie bekanntlich noch viele Namen. Ihr Name bleibt mir
völlig gleichgültig, in der Sache aber gilt sie mir als die Erfahrungswissenschaft
vom Wirtschaftsleben aller Zeiten und
Völker. Dabei nun verstehe ich „Wirtschaftsleben“ auch ganz wörtlich:
nicht als ein Leben, das neben dem Dasein der Wirtschaft einherliefe,
sondern Wirtschaft selber geht für mich auf in Leben, Wirtschaftsleben
heißt also für mich Wirtschaft als Leben!
Das ist vorläufig ein Schlagwort, und ihm setze ich sofort ein
anderes entgegen: Wirtschaft als Leistung! Da herum dreht
sich nun alles. Nicht etwa zwei verschiedene Begriffe oder Definitionen
von Wirtschaft stehen in Frage. Ein scharfer Gegensatz klafft hierzwischen
zwei Grundanschauungen vom Vorwurf oder Gegenstand
unserer Wissenschaft; besser gesagt, zwischen zwei Einstellungen auf
diesen Vorwurf. Daraus entspringt auch ein grundsätzliches Zweierlei
an nationalökonomischem Denken. Einerseits das leistungstheoretische
Denken, und von diesem ist so gut wie die ganze bisherige
Theorie getragen. Auf der anderen Seite das 1 e b e n s t h e o r e 11 s c h e
Denken, und dieses für die Theorie erst zu fordern, macht das wissen