Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  II.

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II.
Leistungstheoretisch  denkt  schon  der  Alltag  über  die  Wirtschaft.
Alltagsdenken  folgt  stets  der  Linie  des  geringsten  logischen  Widerstandes, ­
  es  hält  sich  an  das  Eingänglichste,  Plausibelste.  Einleuchtender ­
  aber  können  jene  zahllosen  Vorgänge,  die  der  scheinbare  Inbegriff ­
  „Wirtschaftsleben“  umspannt,  gar  nicht  als  Einheit  gesehen
werden  als  eben  so,  daß  man  sie  auf  gewisse  Ziele  bezieht  und  damit
Wirtschaft  als  eine  Leistung  auffaßt.  Wie  sich  daraufhin  der  Inhalt
des  Wirtschaftslebens  im  Alltagsdenken  spiegelt,  entspricht  etwa  der
Formel:  Vorsorge  treffen  für  das  tägliche  Brot,  für  Kleidung  und
schützendes  Dach,  auch  für  allerlei  Schmuck  und  feiertägliche  Freuden.
Es  ist  dabei  gleichgültig,  ob  nun  im  Dienste  dieser  sinnbildlich  gemeinten ­
  Ziele  viel  oder  wenig  an  Apparat  aufgeboten  wäre,  gleichgültig, ­
  wie  reich  immer  sich  diese  Ziele  selber  entfaltet  hätten,  gleich-Für

  jene  erkenntniskritischen  Gedankengänge,  deren  Ergebnisse  im  später  folgenden
eine  Rolle  spielen,  habe  ich  die  Grundlagen  schon  in  den  Jahren  1906/09  in  einer  Artikelreihe ­
  schärfer  herausgearbeitet,  die  unter  dem  fortlaufenden  Titel:  „Zur  sozialwissenschaftlichen ­
  Begriffsbildung' 1  im  „Archiv  für  Sozialwisscnschaft  und  Sozialpolitik“  erschienen ­
  ist  („Umrisse  einer  Theorie  des  Individuellen“,  23.  Bd.  [1906],  S.  403  fr.  —
„Der  Stoff  der  Sozialwissenschaft“,  24.  Bd.  [1907],  S.  265  fr.  —  „Geschichte  und  Sozialwissenschaft“, ­
  28.  Bd.  [1909],  S.  72ff.).  Den  scharfen  Schnitt  aber  zwischen  der  naturwissenschaftlichen ­
  und  unserer  Denkweise  hatte  vorher  schon  das  Büchlein  gezogen:
„Die  Grenzen  der  Geschichte“  (Leipzig  1904),  die  Erweiterung  eines  auf  dem
VII.  Deutschen  Historikertag  I9°3  gehaltenen  Vortrages.  Hier  ist  die  fragliche  Scheidung
der  beiden  Denkweisen  zu  der  These  zugespitzt,  daß  nur  durch  groben  Denkfehler  die
Jahrtausende  der  Geschichte  ihre  angebliche  Verlängerung  in  den  „Jahrmillionen“  der
Geologie  fänden.
Der  ganze  Ideengang  einer  Erneuerung  unserer  fachlichen  Theorie,  womit  sie  zugleich
mit  unserer  fachlichen  Empirie  erst  wahrhaft  Eines  Geistes  würde,  ist  schnurgerade  vorgezeichnet ­
  gleich  durch  meine  allererste  Schrift:  „Der  Wertgedanke,  ein  verhülltes
Dogma  der  Nationalökonomie“  (Jena  1897).  Schon  diese  Untersuchung  war  unter  das
Zeichen  der  Selbstbesinnung  nationalökonomischen  Denkens  gestellt.  So  sind  denn  auch
_  .  T  .  .  ~  .  TT  .L«  f*  a-c  Wortes“  (Tena  lQOi),  besonders  in  dem
meinem  Jugendwerk  „Die  Herrschait  acs  woncs.  U c  *  j,
umfangreichen  Abschnitt  „Ausblicke“  und  in  den  Anmerkungen  zu  dem  Schlußkapitel,
gleichwie  in  diesem  selber,  eigentlich  schon  alle  Gedanken  ausnahmslos  enthalten,  die
ich  hier  nochmals  in  programmatischer  Absicht  vorlege;  nur  eben  dort  noch  in  sozusagen
eruptiver  Unform.  Zwischen  dieser  frühen  und  der  heutigen  Darstellung  liegt  fast  ein
Vierteljahrhundert  akademischer  Lehrtätigkeit,  von  dem  Streben  getragen,  die  Theorie  der
ucuen  Haltung  wenigstens  in  einer  ersten  Annäherung  wahrzumachen.  Es  fehlt  also
durchaus  nicht  an  der  Musik  für  diese  wiederholten  Programme.  Bloß  die  „öffenüiche
Aufführung.,  steht  noch  aus  -  soweit  nicht  in  Spezialarbeiten  von  Schülern  und  auch  so
öe t>enaus  schon  mancherlei  durchgesickert  ist.
            
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