Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

1.  Das  Wesen  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz.

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Wir  sehen  alle  am  wirtschaftlichen  Verkehr  Beteiligten  in  gewisse  größere  und
kleinere  Gruppen  zerfallen:  Käufer  und  Verkäufer,  Konsumenten  und  Ladeninhaber,
Groß'  und  Kleinhändler,  Unternehmer  und  Arbeiter  zeigen  sich  uns  als  Gesamtgruppen ­
  und  in  sich  gegliedert  nach  bestimmten  Berufszweigen;  in  jeder  Gruppe
konkurrieren  die  direkt  nach  dem  gleichen  wirtschaftlichen  Zwecke  Strebenden  unter
sich:  die  Unternehmer  der  Baumwollindustrie  unter  sich  und  dann  bis  auf  einen
gewissen  Grad  mit  den  Unternehmern  anderer  Gewerbszweige,  sofern  sie  und  die
anderen  Wasserkräfte,  Maschinen,  Techniker,  Arbeiter  suchen.  Jede  Gruppe  steht  nun
aber  auch  noch  mit  einer  oder  mehreren  anderen  Gruppen  in  einem  Konkurrenzverhältnis: ­
  die  Konsumenten  mit  den  Verkäufern  auf  dem  Wochenmarkt  und  in
den  Läden;  die  Unternehmer  mit  den  Arbeitern  einerseits,  den  Großhändlern  und
Exporteuren,  welche  ihnen  ihre  Ware  abnehmen,  andererseits;  die  Arbeiter  stehen  den
Fabrikanten  und  dann  den  Wohnungsvermietern  und  Kleinhändlern  als  Gruppen
von  Konkurrenten  gegenüber.  Es  handelt  sich  bei  dieser  Gruppenkonkurrenz  um  die
Verteilung  gewisser  Gewinne  und  Vorteile,  welche  die  aufeinander  im  Geschäftsleben
angewiesenen  Gruppen  im  ganzen  machen,  aus  die  verschiedenen  Teilgruppen.
Die  unendliche  Zahl  von  täglich  und  stündlich  zustande  kommenden  Verträgen,
durch  welche  der  größere  Teil  des  heutigen  volkswirtschaftlichen  Prozesses  der  Produktion ­
  und  des  Handels  unterhalten  wird,  steht  so  unter  dem  steten  Doppeldruck
einmal  der  Konkurrenten  jeder  Gruppe  unter  sich  und  dann  des  gesellschaftlichen
und  psychologischen  Einflusses,  den  das  Aufeinanderwirken  der  im  ganzen  miteinander
verkehrenden  Gruppen  ausübt.  Die  Voraussetzung  des  Druckes  ist,  daß  die  Waren
oder  Arbeit  Verkaufenden  und  Kaufenden  in  Berührung  kommen,  voneinander
wissen,  immer  wieder  durch  ein  Ausleseverfahren  zu  Geschäftsabschlüssen  kommen.
Da  jeder  Abschluß  auf  dem  Markt  stattfindet  zu  dem  bestimmten  Wert  oder  Preise,
der  augenblicklich  zu  allgemeiner  Anerkennung  gekommen  ist,  so  folgt,  daß  zu  jeder
Zeit  nur  die  auf  dem  Markt  verkaufen  und  kaufen  können,  die  sich  dem  Marktpreis
unterwerfen.  Zur  selben  Zeit  kann  auf  demselben  Markt  für  dieselbe  Ware  und
Arbeit  im  großen  und  ganzen  nur  ein  einheitlicher  Preis  herrschen;  das  ist  die  Folge
des  gesellschaftlichen  Marktbewußtseins:  jeder  Käufer  will  nicht  mehr  zahlen  als  der
andere:  jeder  Verkäufer  so  viel  erhalten  wie  sein  Konkurrent.  Die  Folge  ist,  daß
jeder  Verkäufer,  der  glaubt,  so  nicht  verkaufen  zu  können,  vom  Geschäft  ausgeschlossen
wird;  jeder  Käufer,  der  nicht  so  viel  zahlen  kann  oder  will,  ohne  Ware  nach  Hause
gehen  muß.
Damit  ist  zugleich  bewiesen,  daß  es  sich  bei  der  wirtschaftlichen  Konkurrenz  aus
dem  Markte  stets  um  ein  Ausleseverfahren,  um  eine  Art  des  Daseinskampfes  handelt.
Cr  kann  zeitweise  ohne  Härten  auftreten,  wenn  Angebot  und  Nachfrage  gleich  groß
sind,  längere  Zeit  stabil  bleiben,  zu  einem  unveränderten  Preise  Ausgleich  finden.
Aber  so  oft  ein  Wechsel  auf  der  einen  oder  anderen  Seite  eintritt,  ist  ein  Überschuß
des  Angebots  oder  der  Nachfrage  vorhanden,  eine  Wertänderung  wird  wahrscheinlich,
ein  Teil  des  Angebots  oder  der  Nachfrage  bleibt  ausgeschlossen  oder  muh  sich  zu
einem  unliebsamen  Preise  entschließen.  Die  ausgeschlossenen  Verkäufer  können  versuchen, ­
  sich  so  anzustrengen,  ihre  Produktion  so  zu  verbessern,  daß  sie  noch  Absatz
finden;  sie  können  auch  versuchen,  andere  Märkte  oder  Käufer  zu  finden,  die  geringere
Waren  noch  nehmen;  sie  gehen  aber  auch  leicht  zugrunde.  Die  Lohnarbeiter,  die
von  anderen  unterboten  werden,  müssen  mit  dem  kärglicheren  Lohn  zufrieden  sein  oder
hungern.  Die,  welche  kaufen  wollten  und  zu  dem  teuren  Preise  nicht  kaufen  können,
versuchen  vielleicht  mehr  zu  verdienen,  oder  sie  begnügen  sich  mit  schlechterer  Ware;
dann  beginnt  aber  mit  der  herabgesetzten  Lebenshaltung  schon  ihre  Verkümmerung.
So  sind  immer  zeitweise  Unternehmer,  Händler,  Handwerker,  Arbeiter  durch  die
Mollat,  Volkswirtschaftliches  Quellenbuch.  4.  Ausl.  13
            
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