Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

198 Zweiter Teil. Handel. VIII. Der Wettbewerb im Handel rc. 
signale zukommen läßt, sondern, was weit wichtiger ist, ihm den Weg zu möglichst 
ausgedehnter und erfolgreicher Entfaltung seines Kreditverkehrs zu zeigen vermag, 
— immer unter sorgsamster Wahrung der Interessen und der kaufmännischen Ehre 
der Kreditnehmer. 
Freilich bleibt, wie alles Menschenwerk, auch das am großartigsten organisierte 
und am besten geleitete Auskunftsbureau dem Irrtum unterworfen, und deshalb 
wird es, auf einen so geringen Prozentsatz dieser Irrtum erfreulicherweise auch hat 
eingeschränkt werden können, niemals eine Haftverbindlichkeit für seine Auskünfte 
zu übernehmen in der Lage fein. In der Hauptsache aber deshalb nicht, weil das 
Auskunftsbureau nie wissen oder beurteilen kann, nach welchen Grundsätzen seine 
einzelnen Abonnenten von den Auskünften Gebrauch machen, ob sie vorsichtig Kredit 
erteilen oder nicht, andererseits aber läge die Versuchung für es zu nahe, sollte ihm 
eine materielle Verantwortlichkeit aufgebürdet werden, zur Vermeidung dieser Ver 
antwortlichkeit seine Berichte mit so viel Ängstlichkeit und Zurückhaltung zu erteilen, 
daß ihr Wert dadurch sehr beeinträchtigt werden würde. 
Zwei Wahrheiten mögen dieses Kapitel beschließen: 
1. Das Geheimnis der höchsten Leistungsfähigkeit einer Auskunftei liegt darin, 
daß sie die tüchtigsten und am besten geschulten Angestellten hat, daß sie diese 
und sich selbst zur Wahrung unbedingter Objektivität von jedem Nebengeschäfte fern 
hält, und daß sie bestrebt bleibt, gerade bei den schwierigsten und wichtigsten Ver 
hältnissen über die Kreditfähigkeit immer so frühzeitig richtig unterrichtet zu sein, 
daß daraus ihren Abonnenten der höchste Nutzen erwächst. 
2. Von zwei gleich kapitalkräftigen und auch sonst gleich leistungsfähigen 
Firmen wird immer die den Vorsprung gewinnen, die sich am besten durch Aus 
künfte unterrichtet: deshalb sollte der Kreditgeber bei Auswahl eines Auskunfts 
bureaus es nie unterlassen, an dessen Organisation und Ansehen die allerhöchsten 
Ansprüche zu stellen. 
3. Typische Fälle unlauteren Wettbewerbes. 
Von Wilhelm Stieda. 
Stieda, Unlauterer Wettbewerb. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Sta 
tistik. Herausgegeben von Conrad und Elster in Verbindung mit Loening und Lexis. 3. Folge. 
11. Bd. Jena, Gustav Fischer, 1896. S. 79—83. 
1. Das R e k l a m e w e f e n ist in der Gegenwart eine legitime Macht geworden. 
Alle größeren Fabriken und Handelsgeschäfte so gut wie die kleineren Unter- 
nehnmngen wissen die Bedeutung des Inserats zu schätzen, und sofern sich das An 
preisen der Waren oder Leistungen in wohlanständigen Grenzen hält, wird niemand 
gegen dieses Hilfsmittel zur Heranziehung von Käufern etwas einzuwenden haben. 
Leider aber braucht man nur irgendeine Zeitung in die Hand zu nehmen, um sich 
davon zu überzeugen, zu welchen extravaganten Blüten die schwindelhafte Reklame 
es bringt. Es ist hier nicht von der Korruption eines Teiles unserer Presse die Rede, 
die systematisch gegen hohes Entgelt Beihilfe zu schwindelhafter Reklame im Ge 
schäfts- und Erwerbsleben treibt und gewissenlose oder mit grober Fahrlässigkeit 
geübte günstige, der Wahrheit nicht entsprechende Beurteilung wirtschaftlicher Zu 
stände, Fonds, Wertpapiere, Fabrikate usw. abdruckt. Auch abgesehen davon wird 
in Anpreisung von Ausverkäufen, von Verkäufen wegen Geschäftsaufgabe oder 
Umbaus, von Verkäufen größerer Mengen, von Resten, von Gelegenheitskäufen 
u. dgl. m. viel geleistet. Wie unzweifelhaft trügerischen Inhalts derartige Annoncen 
sein mögen, sie finden zahllose gutgläubige Leser und Käufer.
	        
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