214 Zweiter Teil. Handel. VIII. Der Wettbewerb im Handel rc.
welche sie fertig bezogen, machen ihnen jetzt manche Industrielle Konkurrenz, indem
sie ihre Waren in eigenen Läden absetzen.
3. Früher war die Höhe des Anlage- und Betriebskapitals bei allen Detailhandlungen
ungefähr gleich oder doch nicht gar so sehr abweichend, — es handelte
sich um Tausende oder auch manchmal um Zehntausende — jetzt benutzt sich dies
Kapital zwar bei den Klein-Detaillisten nach der durchschnittlich gleichen Höhe, aber
daneben sind Betriebe entstanden, deren Anlagekapital allein schon nach Millionen
zählt.
4. Früher deckte der Käufer seinen Bedarf fast ausschließlich bei den Kaufleuten
seines Wohnortes (nur Konkurrenz unter den Kaufleuten dieses einen Ortes),
jetzt bezieht er seine Waren z. T. von außerhalb, besonders aus den großen Städten,
die er besucht, oder aus denen er mit Hilfe der billigen Postpakettarife Sendungen
empfängt. (Versandgeschäfte.)
5. Früher besaß der Detaillist fast stets nur einen Laden, jetzt gibt es viele
sog. Filialhandlungen, die in vielen Orten Läden unterhalten.
6. Während früher die Geschäfte meist Eigentum eines einzigen Menschen
waren, der manchmal vielleicht durch Verwandte pekuniär unterstützt wurde, gibt es
jetzt Geschäfte, die in Form von Genossenschaften oder Aktiengesellschaften betrieben
werden oder mit so unverhältnismäßig viel erborgtem Gelde (von der Bank), daß
der Eigentümer diesen Namen im wirtschaftlichen Sinne nicht verdient.
7. Früher fand man Geschäfte gleichmäßig über das ganze Land verteilt,
jetzt macht sich eine schärfere Konzentration in den größeren Städten auf Kosten
des platten Landes geltend.
8. Während man früher in einem Geschäft die sämtlichen Waren einer
Branche vereinigte, spezialisiert man jetzt, indem man z. B. Geschäfte führt, in
denen es nur Zuckerwaren, nur Kaffee, nur Mäntel, nur Kinderkleider gibt.
9. Während man ferner früher sämtliche Waren einer einzelnen
Branche führte, vereinigt man manchmal jetztdie gangbarsten Sorten mehrerer,
mitunter sogar sämtlicher Branchen in einem Betriebe. (Gemischtwarensystem,
Warenhäuser.)
10. Früher führten sämtliche Geschäfte ihre Waren (soweit nicht Jahreszeit
oder Mode dies hinderten) gleichmäßig und zu gleichen Preisen während der ganzen
Dauer der Geschäftsführung, jetzt dagegen bildet bei manchen Betrieben die plötzliche
oder periodische Darbietung großer Posten einer bestimmten, einzelnen Ware zu
besonders billigen Preisen Geschäftsgrundlage. (Saisonausverkäufe.)
11. Früher wurde in fast allen kaufmännischen Geschäften der gleiche Aufschlag
auf die Waren gelegt, jetzt sucht man z. T. in einigen Geschäften durch Größe
und Schnelligkeit des Umsatzes den Aufschlag zu verringern.
12. Früher unterschieden sich die Waren der einzelnen Geschäfte nach
Branchen, z. B. nur Kleiderstoffe, nur Eßwaren rc., jetzt erfolgt die Zusammenstellung
der Waren in einzelnen Geschäften nach Bevölkerungsgruppen, so daß gewisse
Warenhäuser alle Sorten Waren für die weniger bemittelten Teile der Bevölkerung
feilbieten, z. B. Arbeiterbedarfsartikel.
13. Früher verkaufte man nur in besonderen Notfällen unter dem Einkaufspreis,
jetzt ist das Verkaufen einzelner Artikel unter dem Einkaufspreis
dauerndes Geschäftsprinzip einiger Betriebe. (Lockvögel.)
14. Früher bedurfte die Arbeit des Teilens der im großen gekauften Waren
größerer Mühe und eingehenderer Kenntnis als j e tz t, wo die Lieferung der Waren
durch den Fabrikanten in fertigen abgemessenen Mengen in Paketen und Dosen
weiten Umfang angenommen hat.