Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Zweiter  Teil.  Handel.  X.  Die  Börse.

rufen:  das  sog.  „SB®t:en*Clearingliouse".  Dies  ist  eine  Abrechnungsstelle, ­
  ein  Bureau  zur  Vereinfachung  der  Abrechnung  von  Termingeschäften  und
organifatorisch  gewöhnlich  an  die  betreffende  Warenbörse  oder  den  entsprechenden
Börsenverein  angegliedert.  Das  erste  derartige  Institut  im  Warenhandel  wurde
1876  in  Liverpool  für  den  Baumwollterminhandel  nach  dem  Plan  eines  Mr.  Joseph
B.  Morgan  begründet,  und  diesem  Beispiel  sind  verschiedene  andere  Terminmärkte
gefolgt.
Dem  gleichen  Zwecke  dienen  auf  dem  Kontinent  auch  die  etwas  anders  organisierten ­
  „Kündigungsregistraturen"  und  „W  aren-Liquidationskaffen".


5.  Der  Verkehr  aus  der  Börse.
Bon  Max  Weber.
Weber,  Die  Börse.  II.  Der  Börsenverkehr.  In:  Göttinger  Arbeiterbibliothek,  herausgegeben ­
  von  Naumann.  2.  Bd.  Göttingen,  Bandenhoeck  &  Ruprecht,  1894.  ©.  49—51.
Diejenigen,  welche  „börsengängige"  Waren  oder  Papiere  kaufen  oder  verkaufen ­
  wollen,  also  z.  B.  Landwirte,  die  Getreide  verkaufen,  große  Müller,  die  es
kaufen,  Kapitalisten,  die  Wertpapiere  zur  Anlage  ihres  Geldes  erwerben,  und  andere,
die,  weil  sie  Bargeld  brauchen,  solche  verkaufen  wollen,  sind  auf  der  Börse  am
sichersten,  Verkäufer  und  Käufer  zu  dem  z.  Z.  für  sie  günstigst-möglichen  Preise  zu
finden.  Sie  geben  deshalb  ihre  Aufträge  an  einen  an  der  Börse  vertretenen  Kommissionär. ­
  Die  Auftraggeber  bezeichnen  dabei  entweder  den  Preis,  zu  welchem
sie  äußersten  Falls  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen  bereit  find,  sie  „limitieren"  ihn  (z.  B.:
zu  kaufen  10  000  Rubel  russische  Noten  zum  Preise  von  nicht  über  —  aber  natürlich
womöglich  unter  —  210  Jl  für  je  100  Rubel),  oder  sie  geben,  wenn  sie  in  jede  m
Falle  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen  wünschen,  den  Auftrag  „unlimitiert"  (z.  B.:  zu
kaufen  10  000  Rubel  „bestens",  d.  h.  zu  dem  billigst-möglichen  Preise,  zu  dem  sie
der  Kommissionär  auf  dem  Markt  erlangen  kann).  Wieviel  Waren  oder  Papiere
einer  bestimmten  Art  jeweilig  von  derartigen  Auftraggebern  angeboten  oder  gesucht,
und  welche  Preise  dafür  verlangt  oder  geboten  werden,  hängt  natürlich  von  der
ganzen  unabsehbaren  Vielzahl  von  Ursachen  ab,  welche  für  die  Verkaufs-  oder  Kaufsneigung ­
  der  Beteiligten  in  Betracht  kommen.
Mit  ihren  Aufträgen  in  der  Tasche  begeben  sich  die  Kommissionäre  an  die
Börse  und  suchen  dort  entweder  selbst  einen  Partner  aufzufinden,  mit  dem  sie  ein
Geschäft,  wie  es  der  Auftraggeber  verlangt,  so  günstig  wie  möglich  für  ihn  und
jedenfalls  innerhalb  des  Preis-„Limits",  welches  er  angegeben  hat,  abschließen
können,  oder  sie  wenden  sich  an  einen  der  Makler,  welche  die  Vermittlung  von
Geschäften  in  dem  betreffenden  Gegenstand  (Getreidesorte,  Aktien  der  betreffenden
Gesellschaft)  zu  ihrem  speziellen  Geschäft  gemacht  haben.  An  diese  Makler  gelangt
also  der  größte  Teil  der  Verkaufs-  und  Kaufsofferten,  die  an  einem  Börsentage  in
dem  betreffenden  Artikel  vorliegen,  —  „Angebot  und  Nachfrage"  konzentrieren  sich
bei  ihnen  —  und  sie  suchen  nun  aus  diesen  Kaufs-  und  Verkaufsaufträgen  unter
Berücksichtigung  der  angegebenen  Preis-„Limits"  möglichst  viele  Geschäfte  zustande
zu  bringen,  um  möglichst  viel  „Courtage"  zu  verdienen.
Je  nach  dem  Maße  nun,  in  welchem  Aufträge  zum  Verkauf  oder  zum  Kauf
bestimmter  Warensorten  oder  Wertpapiere  an  den  Markt  gelangen,  —  je  nach  der
jeweiligen  „Marktlage"  —  müssen  die  zu  einem  bestimmten  Preise  keinen  Verkäufer
mehr  findenden  Kaufreflektanten  mit  ihren  Preisangeboten  in  die  Höhe  gehen  und
so  zu  dem  teureren  Preise  weitere  Warenbesitzer  zum  Verkaufe  zu  bewegen  suchen,
            
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