Full text : Die Schweiz

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Erwin  Respondek,

heftigsten  werden  die  Kämpfe,  sobald  der  Zeitpunkt  anrückt,  an  dem
das  Privileg  der  Bank  von  Frankreich,  nämlich  das  Recht  der  alleinigen
Notenemission,  zur  Erneuerung  gelangt.  Es  ist  hier  nicht  der  Raum,
diese  sehr  bemerkenswerten  Vorgänge  nach  ihren  offenen  und  heimlichen ­
  Tendenzen  und  ihren  Resultaten  geschichtlich  darzustellen,  und
daher  möge  nur  das  Prinzip  herausgeschält  werden,  das  jenen  Bewegungen ­
  zugrunde  liegt.  Ist  die  Frage  der  Verlängerung  des  Notenprivilegs ­
  akut,  dann  kommt  es  lediglich  für  die  eine  Partei,  zu  der  die
Landwirtschaft,  die  Industrie  oder  der  Handel,  das  Gewerbe  und  stets
der  Staat  zählen  können,  darauf  an,  von  der  Bank  z.  B.  in  der
Kreditgewährung  größere  Zugeständnisse  zu  erlangen,  erhöhte,  billige
Vorschüsse  zu  erhalten  u.  a.  m.,  also  im  Kern  das  Privileg  zu  einem
Handelsobjekt  zu  stempeln.  Ähnlicher  Natur  waren  die  Ziele  bei
der  Privilegs-Debatte  im  Jahre  1897.  Heute  werden  die  Ziele  natürlich
äußerlich  andere  sein  und  im  wesentlichen  von  den  Ereignissen  des
Krieges  bestimmt  werden.  Es  erscheint  aber  als  höchst  unfruchtbare
Arbeit,  schon  jetzt  über  das  Problem  der  Privilegs-Erneuerung  zu  diskutieren, ­
  obwohl  die  Entwicklung  des  Wirtschaftslebens  in  ihren  neuen
Bahnen,  obwohl  noch  alles  im  Flusse  ist  und  das  gegenwärtige  Privileg
dazu  erst  am  31.  Dezember  1920  abläuft.  Die  Notenbank  steht  immer
noch  mit  allen  Kräften  im  Kreise  der  ihr  gestellten,  tatsächlich  nicht
leicht  zu  meisternden  Aufgaben,  sie  verkörpert  immer  noch  den  Kredit
des  Staates,  ohne  den  die  nationale  Verteidigung  schwerlich  diesen
Gang  genommen  haben  könnte  und  die  gesamte  heimische  Wirtschaftsführung ­
  in  die  größten  Schwierigkeiten  versetzt  sein  würde.  Von  ihr
daher  jetzt  zu  fordern,  einen  innerpolitischen  Kampf  zu  führen,  ist  mehr
als  kurzsichtig,  ist  verantwortungslose  Gesinnung.  Es  ist  von  hier  aus
nicht  klar  zu  erkennen,  Welche  politischen  Strömungen  diesmal  an  der
Arbeit  sind.  Nur  so  viel  steht  fest,  daß  auch  jetzt  wieder  geheime  politische ­
  Kräfte  wirken,  deren  Ziele  ja  noch  nicht  bekannt  sind  oder  doch
nur  mit  Vorsicht  vermutet  werden  dürfen.  Es  besteht  vielleicht  in  einigen
Kreisen  die  Annahme,  daß  die  Notenbank  durch  ihre  neuen,  unzweifelhaft
hohen  Verdienste  um  die  Staats-  und  Volkswirtschaft  zu  einer  hohen
Macht  werden  könnte:  „die  Bank  wird  zu  mächtig,  ihr  Verdienst  um  das
Land  könnte  den  Einfluß  politischer  Streber  ausschalten“,  deshalb,
so  argumentiert  die  „Frankfurter  Zeitung“ 1 )  weiter:  „die  Bank  muß
fühlen,  daß  das  Parlament  Herr  der  Lage  ist,  die  Bank  muß  vor  allen
Dingen  bluten,  sie  soll  für  einen  Teil  der  Kriegskosten  aufkommen“.
Diese  Annahmen  brauchen  nicht  zu  stimmen,  jedenfalls  hat  die  „Frankfurter ­
  Zeitung“  aber  recht,  wenn  sie  bemerkt,  daß  bei  derartigen  Zielen,
„mit  solchen  Leuten“  jede  sachliche  Diskussion  ein  Ding  der  Unmöglichkeit ­
  ist.  Bei  einer  Realisierung  dieses  vermuteten  Zieles  würde  eben
die  Bank  von  Frankreich  aufhören  Notenbank  zu  sein.
Das  unterirdische  Treiben  gegen  das  französische  Noteninstitut
muß  aber  sehr  konsequent  und  kräftig  vor  sich  gegangen  sein,  da  der
h  a.  a.  O.  13.  Juli  igi6,  No.  192.
            
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