Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

4.  Der  Silberbergbau  in  Mexiko.

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sich  die  mächtige  Steinwalze  dreht,  die  das  Erz  zermalmt.  In  der  Mitte  der  Mühle
ist  ein  kegelförmig  abgeschrägtes  Sieb  um  den  Standbalken  angebracht,  gegen  welches
während  der  langsamen  Umdrehung  das  Erz  geworfen  wird,  so  daß  die  feineren  Teile
direkt  in  die  unter  dieser  ersten  Mühlenstation  stufenförmig  am  Berge  liegende  zweite
Mühle  laufen.  Hier  wird  die  zerkleinerte  Masse  unter  Zusatz  von  vielem  Wasser
ganz  fein  gemahlen,  doch  sind  auch  diese  „Mühlen"  die  allereinfachsten,  die  man  sich
denken  kann.
Ein  aufrechtstehender,  runder  Balken  wird  durch  eine  Zugstange  von  zwei  Eseln
in  drehende  Bewegung  gesetzt;  an  den  Balken  sind  vier  kurze  Querhölzer  befestigt,
und  an  jedem  von  diesen  ist  mittelst  Stricken  ein  großer,  schwerer  Stein  angehängt,
der,  fortdauernd  durch  die  breiige  Erzmasse  geschleift,  dieselbe  auf  der  harten,  untermauerten ­
  Unterlage  so  fein  zermahlt,  wie  es  bisher  die  besten  Erzmühlen  nicht  fertig
gebracht;  doch  ist  die  Tagesleistung  solcher  Mühle  nicht  mehr  als  4  Zentner.
Das  fein  zermahlene  Erz  läuft  nun  in  ein  Sammelbassin,  um  dann  im  freien
Hof  (patio)  weiter  verarbeitet  zu  werden.  Etwa  600  Kargas  werden  hier  auf  einen
Haufen  gebracht,  um  dann  von  20—24  Pferden  und  Maultieren,  die,  mit  Stricken
aneinander  gekoppelt,  täglich  etwa  8  Stunden  im  Kreise  herumgetrieben  werden,  in
4—6  Wochen,  je  nach  der  Sonnenwärme,  durchgeknetet  zu  werden.  Unter  Zusatz
von  Quecksilber,  Salz-  und  Kupsersulphat  wird  dabei  das  Silber  allmählich  in  Almalgam
  übergeführt  und  nachher  durch  ein  einfaches  Auswaschen  als  solches  gewonnen.
Man  behauptet,  daß  diese  Bearbeitung  mit  den  Füßen  der  Tiere  noch  immer
die  besten  Resultate  gebe  und  bisher  durch  keinerlei  Maschinen  ersetzt  werden  könne;
aber  der  Anblick  dieser  armen,  abgetriebenen  Geschöpfe,  die  hier,  von  den  Stricken
blutig  gescheuert,  bis  zum  Knie  in  dem  zähen  Schlamm  herumgehetzt  werden,  ist  ein
geradezu  mitleiderregender.  Sie  sollen  die  Arbeit  auch  durchschnittlich  nur  ein  Jahr
aushalten,  dann  gehen  sie  an  Huffäule  rc.  zugrunde,  und  man  nimmt  deshalb  nur
billige,  alte  Kreaturen,  die  man  hier  zu  Tode  hetzt.  —  Wer  nachher  das  glänzende
Metall  im  Gebrauch  hat,  ahnt  meist  gar  nicht,  wie  viel  menschliches  und  tierisches
Elend  seine  Gewinnung  verursachte.
Daß  die  Arbeiter  in  den  Minen  durchweg  Indianer  sind,  ist  wohl  selbstverständlich; ­
  sie  arbeiten  jetzt  meist  im  Stücklohn:  die  Hauer  verdienen  in  den  besseren
Gruben  1—1  y 2  Dollar  pro  Tag,  die  Schlepper  ca.  65  Centavos,  die  Arbeiter  über  Tage
35—90  Centavos.  Das  alte  partido  (Anteils)-System  hat  sich  nicht  bewährt.  Dabei
erhielten  die  Hauer  50  Centavos  festen  Lohn  und  8  %  vom  Erz,  mußten  aber  das
Dynamit  liefern.  Viele  arbeiteten  jedoch  nur  so  viel,  um  das  Geld  für  den  Sprengstoff ­
  zu  verdienen,  die  weiteren  50  cts.  genügten  ihnen  zum  Leben,  und,  was  das
Schlimmste  war,  sie  nahmen  nur  das  allerbeste  Erz,  so  daß  weniger  gute  Gänge  nur
mit  Verlust  zu  bearbeiten  waren.  Ein  Beweis,  wie  alle  diese  vielgerühmten  Löhnungsmethoden ­
  nur  da  am  Platze  sind,  wo  eine  intelligente  Arbeiterbevölkerung  ihre
Vorteile  zu  nutzen  versteht.
Hatte  ich  in  Pachuca  die  alten  und,  wie  es  scheinen  möchte,  veralteten  Arbeitsweisen ­
  kennen  gelernt,  so  ritt  ich  am  nächsten  Morgen  mit  meinem  Gastfreunde,  einem
deutschen  Bergwerksdirektor,  über  die  Berge  nach  dem  berühmten  Real  ckel  Monte,
einem  kleinen,  schön  gelegenen  Minenstädtchen,  dem  Hauptsitze  der  großen  Real  del
Uonte-Kompagnie,  die  noch  jetzt  etwa  300  Gruben  in  Betrieb  hat,  z.  Zt.  die  reichsten,  bis
Zu  300  Ji  haltenden  Erze  fördert  und  in  den  letzten  dreißig  Jahren  etwa  50  Millionen
Dollars  Ausbeute  gewonnen,  aber  auch  ca.  30  Millionen  für  Neuanlagen,  Wegebauten ­
  und  Wasserleitungen  verausgabt  hat.  Hier  hat  man  die  alten  Arbeitsweisen
verlassen  und  ist  zu  soliden  Schachtbauten  und  guten  Maschinen  übergegangen,  besitzt
sogar  die  größte  Bergwerksmaschine,  die  bisher  in  Amerika  arbeiten  soll,  eine  mächtige
Pumpe  von  1000  Pferdekräften.  Sie  ist  deutschen  Ursprungs,  von  der  Sächsischen
            
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