Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

336  Zweiter  Teil.  Handel.  XV.  Kaufmännisches  Unterrichtswesen.

Vorlesungen,  sondern  vielmehr  selbst  mitwirken,  sei  es  durch  eigene  Produktion,  sei  es
durch  Reproduktion  des  Gehörten.
Ergänzt  werden  die  Übungen  in  der  Nationalökonomie  und  der  kaufmännischen
Betriebslehre  durch  Exkursionen.  Dieselben  sollen  die  Anschauung  des  wirtschaftlichen ­
  und  kaufmännischen  Lebens  fördern.  Man  besucht  eine  Fabrik,  ein  Bergwerk, ­
  einen  Landwirtschaftsbetrieb,  ein  großes  Geschäft,  um  die  Eigentümlichkeit  der
einzelnen  Unternehmungsarten  unter  dem  wirtschaftlichen  Gesichtspunkt  kennen  zu
lernen.  Eine  orientierende  Besprechung  vor  der  Exkursion  soll  auf  die  Hauptgesichtspunkte ­
  aufmerksam  machen,  während  eine  an  der  Hand  eines  Protokolles  über  die
Besichtigung  erfolgende  nochmalige  Erörterung  des  Gesehenen  die  Ergebnisse  ziehen
soll.  Solch  Anschauungsunterricht  mutz  gerade  neben  der  Theorie  besonders  berücksichtigt ­
  werden.  Dabei  werden  Ihnen  diese  Exkursionen  auch  aus  dem  Grunde  Freude
bereiten,  weil  sie  zu  angenehmem  Verkehr  mit  den  Dozenten  und  Studierenden  führen.
Ein  sehr  wesentliche  Rolle  wird  in  Ihrem  akademischen  Studium  immer  die
Lektüre  spielen.  Lesen  und  Lesen  ist  nun  allerdings  etwas  sehr  Verschiedenes,  je
nachdem  man  es  als  ernste  Beschäftigung  betreibt  oder  nur  als  Mittel  zum  Zeittotschlagen ­
  braucht.  Daß  für  Sie  während  des  Studiums  nur  die  erste  Art  in  Betracht
kommt,  versteht  sich  von  selbst.  Aber  recht  lesen  ist  eine  Kunst,  die  keineswegs  jeder
versteht,  und  die  doch  von  größter  Bedeutung  ist.  Man  könnte  lange  über  die  Kunst
des  richtigen  Lesens  schreiben;  man  kann  sehr  viel  gelesen  haben  und  hat  doch  deshalb
nichts  oder  nicht  der  aufgewandten  Zeit  und  Mühe  entsprechend  viel  gehabt,  weil  man
nicht  verstand,  richtig  zu  lesen.  Nur  ein  Ratschlag,  den  auszuführen  keineswegs  so
leicht  ist,  als  auf  den  ersten  Blick  scheint:  Lesen  Sie  nie  einen  Abschnitt,  eine  Seite
in  einem  Buch,  ohne  sich  Rechenschaft  abzulegen  davon:  Was  habe  ich  gelesen?  Und
wie  stehe  ich  zu  den  vorgetragenen  Tatsachen  und  Ansichten?  Wenn  Sie  so  lesen,
dann  werden  Sie  wirklichen  Vorteil  vom  Lesen  haben,  mögen  Sie  nun  Zeitungen
und  Zeitschriften,  oder  mögen  Sie  die  Hauptwerke  des  Menschengeistes  lesen.
Nun  noch  ein  Wort  über  die  F  e  r  i  e  n  !  Sie  können  dieselben  sehr  mannigfaltig
verwenden.  Ist  Ihnen  durch  verwandtschaftliche  oder  freundschaftliche  Beziehungen
die  Möglichkeit  gegeben,  sich  in  einem  oder  mehreren  großen  Betrieben  des  gewerblichen ­
  Lebens  genauer  umzusehen,  so  benutzen  Sie  die  Ferien  in  erster  Linie  dazu.
Aber  nicht,  indem  Sie  sich  auf  den  Kontorbock  in  einem  Geschäfte  setzen  und  da  stets
die  gleiche  untergeordnete  Tätigkeit  ausüben.  Nein,  lassen  Sie  sich  an  allen  Stellen
des  Betriebes  umherführen  und  sehen  Sie  sich  alle  Zweige  des  Geschäfts  gründlich  an.
Oder  wenn  Sie  die  Möglichkeit  haben,  einen  landwirtschaftlichen  Großbetrieb  anzusehen, ­
  gehen  Sie  auf  das  Land.  Denn  die  großen  Zweige  des  nationalen  Erwerbslebens ­
  können  gegenseitig  nur  Vorteil  davon  haben,  wenn  ihre  Vertreter  auch  über
die  Lage  der  anderen  Zweige  gründlich  aus  eigener  Anschauung  orientiert  sind.  Aber
fassen  Sie  das  nicht  nur  als  Erholung,  sondern  als  Arbeit  auf,  geben  Sie  sich  Rechenschaft ­
  vom  Gesehenen  und  Gehörten,  und  berichtigen  Sie  danach  Ihre  bisherigen
Anschauungen  und  —  Vorurteile.
Eine  andere  nützliche  Verwendung  der  Ferien  wäre  auch  eine  Reise  ins  Ausland, ­
  falls  Sie  nicht  Absicht  und  Gelegenheit  haben,  später  noch  aus  längere  Zeit  sich
in  den  Verhältnissen  anderer  Länder  umzusehen.  Freilich  handelt  es  sich  dann  nicht
um  eine  Vergnügungsreise,  sondern  um  eine  gründlich  vorbereitete  Studienreise,  um
die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  des  Auslandes  kennen  zu  lernen.
Aber  schließlich  würde  natürlich  auch  ein  stiller  Studienaufenthalt  zu  Haus  seine
guten  Früchte  tragen.  Gründliche  Repetitionen  und  selbständiges  Durcharbeiten  einer
Spezialfrage,  eines  Spezialgebiets,  würden  sich  dem  allgemeinen  Studienplan  sehr
zweckmäßig  eingliedern.  Nur  muß  ich  dabei  wieder  darauf  hinweisen,  daß  auch  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.