Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

4. Gustav v. Mevissen als Stifter der Kölner Handelshochschule. 337 
diesem Falle genaue Zeiteinteilung von vornherein sehr nützlich sein würde. Jedenfalls 
aber muß in den Ferien irgendein die Semesterarbeit ergänzender Studienbetrieb 
stattfinden, soll die Zeit nicht zwecklos vergeudet werden. 
4. Gustav v. Mevissen als Stifter der Städtischen 
Handelshochschule in Köln. 
Von Christian Eckert. 
Eckert, Die Städtische Handelshochschule in Köln. Köln, Paul Neubner, 1911. S. 1—7. 
Die Errichtung der Handelshochschule in Köln ist die Verwirklichung eines 
Gedankens, für den einer der hervorragendsten rheinischen Kaufleute mit starkem 
Überzeugungseifer jahrzehntelang eingetreten war. 
Gustav v. M e v i s s e n, der als Präsident der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, 
als erster Direktor des Schaaffhaufenfchen Bankvereins, als Begründer des Hörder 
Eisenwerks, der Lebensversicherungsgesellschaft Concordia, der Kölner Rückver 
sicherungsgesellschaft und manch anderer blühender Unternehmung um das deutsche 
Wirtschaftsleben wie wenige sich verdient gemacht hat, legte durch eine großherzige 
und weitsichtige Stiftung auch den Grund für die erste selbständige Handelshochschule 
in Deutschland. Unmittelbar aus den praktischen Erfahrungen eines an Erfolgen 
ungewöhnlich reichen Lebens schöpfend, war er zur Überzeugung gelangt, daß die 
»größeren Aufgaben, die dem Deutschen Reiche aus seiner machtvollen Gestaltung 
erwachsen, auf dem Gebiete des materiellen Lebens nur dann mit vollem Erfolge 
gelöst werden können, wenn die erreichte hohe politische Stufe auch in der erweiterten 
Erkenntnis und in den gesteigerten Fähigkeiten der deutschen Kaufleute ihren Ausdruck 
findet". 
Schon um die Jahrhundertmitte, bald nach der Übersiedelung Mevissens fvon 
Dülkens in seine zweite Heimat, in die Stadt Köln, war ihm, wie wir aus Joseph 
Hansens trefflicher Monographie erfahren, die Einseitigkeit bloß materieller Ent 
wicklung eines großen Gemeinwesens bedenklich erschienen. Im Handelskammer 
bericht 1855 gibt er der Überzeugung Ausdruck, die materielle Tätigkeit erlange nur 
dadurch ihre Weihe und wahre Berechtigung, daß sie dem geistigen Leben den Weg 
bahne und ihre Mittel zu seinem Dienste verwende. Anknüpfend an Gedanken, wie 
sie schon am Ausgang des 18. Jahrhunderts einzelne Geistesführer bewegt, wie sie 
damals zu allerdings noch bescheidenem praktischen Versuch geführt hatten, gewinnt 
der Gedanke einer Handelsakademie bei Mevissen bald deutliche Gestalt. Wiewohl 
Kölner Handelskreise, bei denen noch die Auffassung vorherrschte, daß das praktische 
Leben und die praktische Lehrzeit allein die fruchtbaren Bildungsstätten des an 
gehenden Großkaufmanns seien, den gehegten Erwartungen wenig entgegenkamen, 
hielt Mevissen doch seine Ideen fest im Auge. 
Im Jahre 1866 kam er generell auf die Notwendigkeit der Gründung von Handels 
akademien zurück. Die Heranbildung derIugend galt ihm mehr denn je als der Kern aller 
friedlichen, ausdauernden Reformarbeit. „Erkennen wir", so mahnte er wiederholt, 
»daß in der Jugend der Kern des Daseins, daß in dem Werdenden das Künftige liegt, 
daß das Gewordene, wie gestaltet es auch sei, als ein Fertiges schon der Vergangen 
heit angehört". 
Nach der Gründung des Deutschen Reichs, nach der politischen Einigung der 
deutschen Stämme waren bei der weitergreifenden Verflechtung unseres Vaterlandes 
in das Getriebe der Weltwirtschaft immer neue Aufgaben an den Kaufmannsstand 
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. t. Ausl. 22
	        
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