Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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4. Johann Georg Büsch. 
nichts als Heide ist, breite Striche zu den Wegen ungebaut liegen zu lassen, damit man 
die Spur desto öfter versetzen und sich von der Unterhaltung eines eigenen Weges be 
freien könne. „Freilich ist ein Palast besser als eine Strohhütte; aber doch, wenn er 
auf einem Bauerhofe steht und von demselben in Dach und Fach erhalten werden 
muß, mag er auch leicht für ein ewiges Denkmal der Unbesonnenheit gelten." — 
Erwägt man, daß noch A. Houng 1787/9 von Frankreich sagen konnte: »Wo ich 
prächtige Brücken und Straßen finde und dabei Städte, deren schlechte Gasthöfe die 
Geringfügigkeit des Verkehrs bezeugen, da beklage ich immer die Verkehrtheit und 
Despotie der Regierung," so wird man die Zweckmäßigkeit solcher Warnung für 
gewisse Fälle nicht bestreiten. Ob indes zu einer Zeit, wo Maria Theresia das öster 
reichische Kommunikationssystem zum ersten Deutschlands erhob, das so dicht bevöl 
kerte Osnabrück in dieser Hinsicht mehr des Zügels bedurft habe als des Spornes, 
mag billig dahin gestellt bleiben. 
4. Johann Georg Büsch. 
Bon Wilhelm Roscher. 
1C7 . Äscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland. München, R. Oldenbourg, 
S. 569—571, 
Welches große Verdienst sich Johann Georg Büsch um die sog. Handels- 
. * | > e n f cf) a s t im engern Sinne, d. h. Privatökonomik des Handels erworben hat, 
nicht bloß durch Gründung und fast dreißigjährige Leitung der Hamburger Handels- 
a ademie, sondern mehr noch durch seine vielen Schriften, wird man am besten er- 
meßen, wenn man z. B. Marpergers zahllose Werke mit Büschs „Theoretisch-prak- 
iscyer Darstellung der Handlung" vergleicht. Wie anziehend, klar und echt praktisch 
\ ÖIe letztere geschrieben! Während der zu seiner Zeit doch höchst angesehene Mar- 
f!^ et m seinen ebenso breiten, wie stoffarmen Exzerptensammlungen so geistlos ver 
fahrt, daß er z. B. in die Schrift „Erstes Hundert gelehrter Kaufleute" (1717) selbst 
Lanner wie Salon, Thales, Sokrates, Platon, Mohammed aufgenommen hat. Die 
pädagogisch so bedeutsame Tatsache, daß ein guter Gymnasialunterricht nicht bloß für 
re sog. wissenschaftlichen Berufe, sondern selbst für die praktische Leitung eines großen 
andwirtschaftlichen oder technischen Unternehmens die beste Vorschule bildet, — eine 
^".Gche, wozu Liebig im chemischen Laboratorium so schöne Analoga beobachtet hat 
findet sich auch in der kaufmännischen Welt bestätigt; und Büschs eigene große Er- 
foche, sowohl als Schriftsteller wie als Lehrer, denen man nie gewagt hat, das Prak- 
rfche abzusprechen, deuten aus etwas Ähnliches hin. 
Daß wir gegenwärtig statt eommaica cl'öeouomie den so viel p a s s e n d e r n 
/s u s d r u ck: Zwischenhandel gebrauchen, hat Büsch zuerst in seinen „Kleinen 
christen über die Handlung" (1772) durchgesetzt. Auch der heutige Sinn der Wörter 
^ktw- und Passivhandel für den Handelsbetrieb eines Volkes auf eigene oder fremde 
bfahr, mit eigenem oder fremdem Kapital rc. rührt von Büsch her, welcher daneben 
"och Verkauf- und Kaufhandel, Gewinn- und Verlusthandel unterscheidet. 
Seine Theorie der Handelskompagnien ist allem, was in Deutschland 
. dahin über diesen Gegenstand erschienen war, bei weitem überlegen, obschon sie 
rein wissenschaftlich gegen die Engländer von Iosiah Chlld bis Ad. Smith keinen Fort 
schritt darstellt. Er billigt solche Kompagnien bloß da, wo es an Einzelvermögen 
"Oer auch an Mut der Einzelkapitalisten im erforderlichen Grade noch fehlte. Colbert 
habe die 'einigen nur gestiftet, um seinem Könige früher etwas Prüsentables vorzeigen 
3u können. Unter vier Kompagnien sind-wenigstens drei gescheitert. In der Geschichte
	        
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