3. Weltwirtschaft und Nationalerziehung.
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glaube, die Wage steht ein! Zieht man auf der Seite der reinen Wissenschaft alle
Arbeit ab, die nicht lediglich um der Sache selbst willen geschieht, d. h. alles
Strebertum und alle Eitelkeit usw., so ist vieles zu streichen, es bleibt aber glücklicher
weise auch recht vieles übrig. Genau so steht es aber auch auf der anderen Seite.
Daß der Ingenieur z. B. gelegentlich eine Riesenarbeit unternimmt, nicht um Geld zu
verdienen, sondern weil ihn das Problem an sich lockt und nicht mehr freigibt, bis er
ihm genug getan hat, wird oft nicht beachtet. Oder etwas anderes! Unter den
Wissenschaften, welche bei der Entwickelung unseres kaufmännischen Unterrichts
wesens neu zu schaffen sind, befindet sich auch die Handelsbetriebslehre,
mit deren Schöpfung augenblicklich Theoretiker und Praktiker des Deutschen Ver
bandes für das kaufmännische Unterrichtswesen in gemeinsamer Arbeit beschäftigt
sind. Schon die Definition dieser Wissenschaft, welche Böhmert in Dresden, der
unermüdliche und selbstlose Vorkämpfer des Volkswohles, gegeben hat, ist bezeichnend:
„Sie ist der Inbegriff von Lehren und Regeln, welche für den guten und zweck
mäßigen Betrieb von Handelsgeschäften maßgebend sind; sie hat die Grundsätze
der Wirtschaftslehre auf den kaufmännischen Betrieb anzuwenden und die Mittel und
Wege zu erörtern, um dem Kaufmann und Großindustriellen zu einem redlichen
Privatgewinn oder Einkommen zu verhelfen, ohne die Interessen des Gemeinwohles
zu schädigen." Dazu mag noch bemerkt werden, daß die Stellung der Handels
betriebslehre zur Ethik mit ganz besonderer Sorgfalt untersucht und bestimmt wird,
wobei als selbstverständlicher Grundsatz gilt, daß die Ethik für den Kaufmann keine
andere ist als für jeden anderen Menschen ss. oben S. 61 f.s. Darf ich aus meinen
eigenen Erfahrungen noch etwas hinzufügen, so möchte ich betonen, daß ich nirgends
so viel Idealismus gefunden habe, wie in dem Kreise des Deutschen Verbandes für
das kaufmännische Unterrichtswesen, — gerade die gemeinsame Arbeit in diesem
Kreise wird mir persönlich stets eine wertvolle und hoffnungsvolle Erinnerung bleiben.
Und der Kunst gegenüber, natürlich der echten und großen, der höchsten Form
menschlichen Geisteslebens, wie stellt sich da die Teilnahme der verschiedenen Berufe?
Ich glaube, hier gilt noch in weitem Umfange das Wort Goethes: „Wir Deutschen
sind von gestern! Wir haben zwar seit einem Jahrhundert ganz tüchtig kultiviert,
allein es können noch ein paar Jahrhunderte hingehen, ehe bei unseren Landsleuten
so viel Geist und höhere Kultur eindringe und allgemein werde, daß sie gleich den
Griechen der Schönheit huldigen, daß sie sich für ein hübsches Lied begeistern, und daß
man von ihnen wird sagen können, es sei lange her, daß sie Barbaren gewesen."
Sollte aber jemand auf der Seite der Vertreter des Wirtschaftslebens in alledem
eine ungünstigere Bilanz finden, so würde zu bemerken sein, daß da, wo die Be
rührung mit der Materie am engsten ist, auch die Gefahr, ihrem Einflüsse zu ver
fallen, am größten ist, und daß man bei der Beurteilung der Menschen stets nicht
bloß zählen, sondern auch wägen soll.
Und dann bedenke man dabei noch eins, im besonderen Hinblick auf unsere
deutschen Verhältnisse! Unsere deutschen Techniker und Kaufleute haben uns in harter
Arbeit die Stellung auf dem Weltmärkte geschaffen, auf die wir so stolz sind. Und
von welcher Grundlage aus! Man vergleiche das Deutschland des Wiener Kongresses
mit dem neuen Reiche! Die Zeit der härtesten Arbeit, die unseren Pionieren keine
Muße zur Selbstbesinnung gelassen hat, ist bereits vorüber, die Arbeit für die
Zukunft kann sich jetzt bereits auf die Vergangenheit stützen. In dieser Zukunft wird
der Grundsatz „Ricliesse oblige“ immer weitere Anwendung finden und im be
sonderen wird die englische Einrichtung der junior-partners sicher auch in unserer
Wirtschaftswelt mehr und mehr um sich greifen, wonach der Kaufmann und der
Industrielle, der es vorwärts gebracht hat, die tägliche Arbeit seines Betriebes auf
jüngere Schultern legt, um selbst mit seinem reichen Wissen und Können und seinem