Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

8. Die Baumwollkultur in Togo. 
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8. Die Baumwollkultur in Togo. 
Von Karl Helfserich. 
Helfferich, Die Baumwollfrage. In: Marine-Rundschau. Redaktion: Nachrichten 
bureau des Reichs-Marine-Amts. 15. Jahrgang. Berlin, E. S. Mittler & Sohn, 1904- 
S. 661—664 und 6. 666—667. 
Die Baumwolle spielt in der gesamten Erwerbs- und Verbrauchswirtschaft der 
europäischen Industriestaaten eine solche Rolle, daß durch die Gestaltung der Baum- 
wollversorgung der Nationalreichtum dieser Staaten und die Lebenshaltung ihrer 
Bevölkerung auf das stärkste berührt werden. Nicht zum wenigsten hängt von der 
Lösung der Baumwollfrage ab die wirtschaftliche Machtstellung des alten Europa 
gegenüber der aufstrebenden und herrschlustigen Tochter jenseits des Ozeans. 
Diese Erkenntnis hat bewirkt, daß im Laufe der letzten Jahre in den verschie 
denen europäischen Industriestaaten eine rasch anwachsende Bewegung entstanden ist, 
welche die Einführung der Baumwollkultur auf einer möglichst breiten Basis in bis 
her vernachlässigten Gebieten bezweckt. Abgesehen von Rußland, wo die Verhältnisse 
durchaus anders liegen als in Mittel- und Westeuropa, ist die Bewegung zugunsten 
der Ausdehnung des Baumwollbaus, der „Baumwollkulturkampf", überall aus der 
privaten Initiative der unmittelbar berührten Kreise hervorgerufen, und bei aller 
Unterstützung, die ihr von amtlichen Stellen zuteil wird, zieht die Bewegung auch in 
ihrer weiteren Entwicklung aus der privaten Initiative ihre beste Kraft. 
Die Bewegung ist organisiert in großen Vereinigungen, die im Wege von frei 
willigen Beiträgen ihrer in der Hauptsache aus Interessenten und Jnteressentenver- 
bänden bestehenden Mitglieder die Mittel zur Förderung der Baumwollkultur in 
neuen Gebieten aufbringen. In Deutschland hat das Kolonialwirtschaft 
liche Komitee sich bereits im Jahre 1900 entschlossen, unter Verzicht auf weitere 
theoretische Erörterung in der Kolonie Togo einen praktischen Versuch mit der Ein 
führung der Baumwollkultur nach einem wohlvorbereiteten und systematischen Plane 
zu unternehmen. In England wurden die von einzelnen Handelskammern (vor allen 
von Oldham, Manchester und Liverpool) ausgehenden Bestrebungen im Mai 1902 
in der „ British Cotton Growing Association“ zusammengefaßt. Im Januar 1903 
gründeten die französischen Baumwollinteressenten nach dem deutschen und englischen 
Vorbild die „Association Cottoniere Coloniale“, und noch in demselben Jahre 
taten sich die belgischen Interessenten gleichfalls zu einer „Association Cottoniere“ 
zusammen. 
Es ist natürlich, daß die einzelnen Vereinigungen ihr Augenmerk zunächst auf 
die für den Baumwollbau geeigneten Kolonien ihres Heimatlandes richteten; daß sie 
auf Grund der bisherigen Kenntnisse und Erfahrungen in eine Prüfung darüber ein 
traten, welcher Teil ihres Kolonialbesitzes für die Einführung einer leistungsfähigen 
Baumwollkultur den besten Erfolg verspreche. 
Soviel bis jetzt feststeht, kommen in erster Linie in Betracht die westafrikanischen 
Kolonien Englands, Frankreichs und Deutschlands, in denen die klimatischen Verhält 
nisse, die Bodenbeschaffenheit und die Bevölkerung besonders günstige Vorbedingungen 
für den Baumwollanbau darstellen. Die einheimische Baumwolle ist allerdings über 
wiegend in einem mehr oder weniger verwilderten Zustand, aber es haben sich auch 
unter den einheimischen Arten Qualitäten gefunden, die der Durchschnittsqualität der 
amerikanischen Baumwolle überlegen sind, und vor allem hat es sich als möglich ge 
zeigt, durch Kreuzungen uitd rationelle Kulturmethoden ein Produkt zu gewinnen, 
das es mit dem amerikanischen durchaus aufnehmen kaitn.
	        
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