Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

zahlt!) ; und der Historiker der niederländischen Anleihen stellte Preu- 
ßen als das Vorbild für die gewissenhafte Tilgung dieser Schulden hin?). 
Im Jahre 1642 lieh die Königin von England, Hen- 
riette Marie, Karls I. Gemahlin, von der Rotterdamer Lehn- 
bank 400 000 fl., von dem Statthalter Friedrich Heinrich 300 000 fl., 
von den Generalstaaten 50 000 fl. Die Lehnbank ließ sich zu dieser 
Hergabe nur bereit finden gegen die Verpfändung der englischen 
Kronjuwelen, von denen die Königin einen Teil mit sich führte; 
die Lehnbank verkaufte, als der auf 6 Jahre berechnete Leihver- 
trag 1649 abgelaufen war und auch die Zinsen ausblieben, die 
Juwelen und verlor dabei noch 42 500 fl.?). Noch 1650 versuchte 
Karl Stuart, der spätere Karl II., in Amsterdam 50 000 £ 
zu leihen gegen Verpfändung der Scilly Islands; doch kam das Ge- 
schäft nicht zustande‘). 
Zur Unterstützung der 1694 errichteten Bank von England, 
die schon bald darauf in große Schwierigkeiten geriet, wurde 1696 
die Hilfe holländischen Kapitals in Anspruch genommen®). Auch 
später war Holland an den Aktien dieser Bank stark beteiligt. 
Viel holländisches Kapital fand auch in englischen 
Fonds Anlage. Eigentliche staatliche Anleihen hat England 
freilich in den Niederlanden nicht aufgenommen; wohl aber ist 
schon seit Ende des 17. Jahrhunderts eine starke Beteiligung Hol- 
lands an den englischen Fonds nachweisbar. Da in Holland der 
Zinsfuß für die eigenen Schuldverschreibungen gering war, meist 
2% %, schien es begreiflich, wenn den englischen Fonds, die 
meist 3%—4% abwarfen, viel holländisches Geld zuströmte®). 
)Alting Bösken,S. 34 ff. 
2) Weeveringh, Il, 637. 
®) Koch, De Engelsche Koningsjuweelen usw. Schon 1625 wurden eng- 
lische Kronjuwelen als Pfand gegen Gelddarlehen in die Amsterdamer Wechsel- 
bank gebracht (van Dillen, Bronnen, S. 65). Über die Schwierigkeiten, die 
der Oranier Wilhelm III.hatte, Geld in Amsterdam zu erhalten (1696), vgl. van 
der Heim, 1,2088 
‘ Gardiner), History etc., I, S. 223, 226. 
°) Vgl. Andreades, Bank of England, S. 108 f. 
°) Schon 1728 schätzte der französische Gesandte den Anteil holländischen 
Privatkapitals in englischen Fonds auf mehr als 100 Mill. fl. (Recueil des instruc- 
tions etc., II, 493.) Nach van Dillen, Beurscrisis, S. 245, nahm England 
1760 in Amsterdam eine Anleihe von ı2 Mill. £ zu 3% auf. Nach Haller ,-S. 33; 
trug um 1725 das Geld in Amsterdam kaum 3%. 
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