Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

566  Fünfter  Teil.  Verkehr.  IV.  Binnen-  und  Seeschiffahrt.

Hamburg  ist  das  Ende  der  Talfahrt  und  der  Eingangshafen  für  größere  Mengen
überseeischen  Holzes,  das  weit  stromauf  verfrachtet  wird.  —  Aus  dem  Rhein  geht  der
größere  Teil  der  Holzfrachten  stromauf  (Einfuhr):  ein  Teil  der  Bergfrachten  erreicht
Mannheim  und  selbst  Straßburg.  Deutsches  Holz  geht  zu  Tale  vom  Oberrhein,
aus  dem  Neckar-  und  namentlich  aus  dem  Maingebiete.  Von  Mainz  ab  talwärts
wird  mehr  auf  Schiffen  als  in  Flößen  verfrachtet.  Das  Hauptziel  der  Holzmengen
ist  das  niederrheinische  Industriegebiet  (Gruben-  und  Bauholz).  —  Auch  die  Donau
und  ihre  Nebenflüsse  haben  einen  nennenswerten  Holzverkehr  (Ein-  und  Ausfuhr  mit
Österreich).
Andere  Güter.  Die  bisher  genannten  5  Gruppen  von  Gütern  sind  mit
über  9 / 10  an  dem  Vinnenschiffahrtsverkehr  beteiligt.  Unter  den  übrigen  Gütern
find  hervorzuheben:  tierischer  und  Kunstdünger  (namentlich  Kali  auf  der  Elbe  und
Weser),  die  Erzeugnisse  der  chemischen  und  Farbenindustrie  (Rhein  und  Main),
Erdöl  (Hamburg  und  Mannheim)  und  Drogen.  Auf  alle  anderen  Frachten  entfallen
nur  5  %  des  Gesamtverkehrs.

3.  Die  volkswirtschaftliche  Bedeutung  des  Kanals
Rhein-Hannover.
Von  Leo  Sympher.

IS  y  m  p  h  e  r  ,]  Denkschrift,  betreffend  die  Herstellung  eines  Schiffahrtskanals  vom
Rhein  nach  Hannover.  Anlage  A  zu  Nr.  96  der  Drucksachen  des  Hauses  der  Abgeordneten,
20.  Legislaturperiode,  k.  Session,  1904.  S.  43—46.
Die  von  der  Kanalanlage  zu  erwartenden  wirtschaftlichen  Vorteile  entspringen
im  wesentlichen  aus  der  Ersparnis  an  Transportkosten,  die  der  neue  Verkehrsweg
gegenüber  der  Eisenbahn  gewährt.  Daß  diese  Ersparnis  eine  erhebliche,  jährlich
nach  Millionen  zählende  werden  wird,  haben  amtliche  Ermittlungen  mit  Sicherheit
ergeben.  Soweit  dieser  Ersparnis  nicht  Ausfälle  an  Reineinnahme  der  Eisenbahnen
gegenüberstehen,  bedeutet  sie  schon  an  und  für  sich  einen  volkswirtschaftlichen  Gewinn,
der  aber  wahrscheinlich  wesentlich  durch  den  Nutzen  der  Belebung  vorhandener  und
der  Erweckung  neuer  Erwerbszweige  übertroffen  werden  wird.  Deutschland,  das
unter  den  industriellen  Staaten  bereits  einen  sehr  hohen  Rang  einnimmt,  leidet
unter  dem  Übelstande,  daß  seine  Erzeugungs-,  Verarbeitungs-  und  Verbrauchsstätten
weit  voneinander  getrennt  sind.  In  England  und  Belgien  liegen  z.  B.  Eisen  und
Kohlen  nahe  beisammen;  es  bedarf  keiner  hohen  Transportkosten,  um  Erz  und  Kohlen
zusammenzuführen  und  zu  verarbeiten.  In  Deutschland  sind  die  größten  Eisenindustriebezirke ­
  auf  teilweisen  Bezug  wenigstens  eines  der  Rohstoffe,  Erz  oder  Kohle  und  Koks,
aus  größerer  Entfernung  angewiesen,  weil  die  nahegelegenen  Bergwerke  entweder
zu  wenig  oder  minderwertige  Erzeugnisse  liefern.  Sie  erstreben  durch  niedrige
Eisenbahnausnahmctarife  oder  Wasserstraßen  die  wirtschaftliche  Entfernung  zwischen
Gewinnungs-  und  Verbrauchsort  zu  vermindern.
Da  für  Kohle  und  Eisen  das  ganze  Land  Verbraucher  ist  und  beide  Massengüter ­
  mehr  als  50  %  aller  in  Deutschland  zum  Versand  gebrachten  Waren  ausmachen,
so  erhellt  hieraus  das  große  allgemeine  Interesse  an  billigen  Transportkosten  für
Kohle  und  Eisen.  Es  ist  kaum  nötig,  bei  der  allgemeinen  Verbreitung  dieser  beiden
wichtigsten  Erzeugnisse  des  Berg-  und  Hüttenwesens  besondere  Industriezweige  als
hauptsächlich  beteiligt  herauszugreifen;  nicht  zum  wenigsten  sind  die  mit  der  Landwirtschaft ­
  verbundenen  Gewerbe,  als  Brennereien,  Brauereien  Zuckerfabriken,
Ziegeleien  usw.,  aus  billigen  Brennstoff  sowie  billige  Maschinen  und  Eisenwaren
            
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