568 Fünfter Teil. Verkehr. IV. Binnen- und Seeschiffahrt.
im Ruhrgebiet bis 1902 bereits auf 525 000 Festmeter — 260 000 t, davon 350 000
Festmeter —175 000 t Grubenholz, und wird bis 1912*) sich voraussichtlich noch er
heblich vergrößert haben.
Von besonderer Wichtigkeit für die Landwirtschaft ist ferner der erleichterte
Bezug künstlichen Düngers, hauptsächlich von Thomasschlacke, Kalisalzen und Mergel.
Die Vermahlung der Thomasschlacke zu Phosphatmehl hat in den letzten zehn Jahren
sehr große Fortschritte gemacht. Das Bestreben geht seit langer Zeit dahin, die
Eisenbahntarise zu ermäßigen, um den Verbrauch auszudehnen; in noch höherem
Maße können niedrige Kanalfrachten dies bewirken. Ähnlich liegen die Verhältnisse
bei den Kalisalzen. Die in der Nähe des Kanals erbohrten Kalilager haben so reiche
Funde ergeben, daß sie dem Wasserwege demnächst erhebliche Gütermengen zuführen
dürften. Endlich sind auch die in der Provinz Hannover und in anderen dem Kanal
benachbarten Gegenden vorhandenen Mergellager einer Steigerung in der Ausbeute
fähig.
Nach den eingegangenen Gutachten wird vielfach auch auf die stärkere Gewin
nung von sonstigen Bodenschätzen gerechnet. Die westfälischen Gebirgszüge an der
Porta und von Vlotho bis in den Kreis Lübbecke hinein enthalten reiche Lager von
Sandsteinen, Eisensteinen und Kalk, die Ebenen Ton zu Ziegeleien. In der Provinz
Hannover ist für die Ausnutzung der Steinbrüche des Piesberger Sandsteins eine
bedeutende Ausdehnung zu erwarten; andere Sandsteinbrüche, deren vermehrte Aus
beute dem Kanal zufallen würde, finden sich im Wiehengebirge, im Solling, am
Deister und Süntel, Kalksteinbrüche im Ith und in den Sieben Bergen, Ton-, Kies-
und Sandlager in den vom Kanal gekreuzten Flußtälern. Alle diese Güter, die jetzt
wegen zu hoher Frachtkosten ein beschränktes Absatzgebiet haben, werden in erhöhtem
Maße gewonnen werden und dem Kanal Verkehrsmengen zuführen.
Wenn auch hinsichtlich der erst zu erweckenden Verkehre nur allgemeine
Schätzungen möglich sind, so kann doch aus obigen Ausführungen ersehen werden, daß
auf bedeutende Gütermengen gerechnet werden darf, die den Verkehr sehr erheblich
steigern und die Ertragsfähigkeit des Kanals erhöhen werden, ohne den Eisenbahn
einnahmen Abbruch zu tun.
4. Die größte Talsperre Europas.
Von W. S o l d a n.
Soldan und Hehler, Die Waldecker Talsperre. 2. Ausl. Marburg, N. G. Elwertsche
Verlagsbuchhandlung W. & G. Braun, 1911. S. 3—6, S. 13—18 und S. 47.
Selten ist der natürliche Abfluß des Wassers so über die Jahreszeiten verteilt,
wie es dem Bedürfnis des Menschen entspricht. Trockenzeiten wechseln mit Zeiten des
Überflusses ab. Besonders in subtropischen Ländern mit ihrem streng periodischen
Wechsel zwischen regenreichen und regenfreien Monaten ist dies der Fall. Hier hat
man wohl auch zum erstenmal den Gedanken gefaßt, in der Regenzeit den Wasser
überfluß in künstlich angelegten Teichen aufzuspeichern und in der folgenden Trocken
zeit nach Bedarf abzulassen. Als das älteste künstliche Sammelbecken, von dem Nach
richten bis auf uns gekommen find, dürfen wir den Mörissee ansehen, mit dessen Hilfe
die Ägypter die fruchtbaren Ländereien des Niltals bewässerten und die Schrecken
der Hungersnöte milderten.
*) Ursprünglich war die Eröffnung des Kanals Rhein-Hannover für das Jahr 1912
in Aussicht genommen. — ®. M-