Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

570 Fünfter Teil. Verkehr. IV. Binnen- und Seeschiffahrt. 
Kanals Rhein-Hannover, dem Hochwasserschutze und der Gewinnung elektrischer Kraft 
dienen soll. 
Der Kanal Rhein-Hannover wird nämlich beträchtliche Wassermengen ver 
brauchen, die ihm aus der Lippe und aus der Weser zugeführt werden müssen. Aus 
der Weser beabsichtigt man bei Minden sekundlich bis zu 7,5 ct>m in den Kanal zu 
pumpen. Außerdem muß die Weser noch für landwirtschaftliche Zwecke Wasser ab 
geben, namentlich für die Bewässerung des Syke-Bruchhäuser Meliorationsgebiets 
und für die Ländereien am Kanal. 
So große Wasserverluste kann die Weser bei niedrigem Wasserstand nicht ver 
tragen, weil sie nicht mehr die nötige Fahrwassertiefe behalten würde, und weil schäd 
liche Senkungen des Grundwasserstandes eintreten könnten. Ursprünglich war beab 
sichtigt, den Wasserstand durch eine Kanalisierung der Weser von Hameln bis Bremen 
künstlich zu heben. Unterhalb von Minden würde man die Schäden der Wasserent 
ziehung ausgeglichen und auf der ganzen kanalisierten Strecke die Schiffbarkeit der 
Weser verbessert haben. 
Eine Flußkanalisierung ist aber in der Regel von unerwünschten Nebenerschei 
nungen begleitet. Durch den Einbau von Schleusen wird die Fahrzeit für die Schiffe 
wesentlich erhöht, und in der Nähe der Wehre werden oft große Landflächen durch 
übermäßiges Anheben des Grundwasserstandes entwertet. Nun gibt es ein Mittel, 
das frei von diesen Übelständen ist, nämlich den Bau von Sammelbecken, in denen zu 
Zeiten des Wasserüberflusses ein Teil des Abflusses aufgestaut wird. Tritt dann in 
der trockenen Jahreszeit Wassermangel ein, so kann man den natürlichen Wasserstand 
durch Abgabe von Wasser aus dem Sammelbecken erhöhen. 
Im Quellgebiet der Weser liegt im Eddertal zwischen Herzhausen und Hemfurt 
ein Gebiet, das für die Anlage eines großen Sammelbeckens ganz außerordentlich 
günstig ist. Es können hier 202 Millionen cbm angesammelt werden. Eine zweite, 
für einen Talsperrenbau recht günstige Stelle liegt im Diemeltal bei Helminghausen, 
gleichfalls im Wesergebiet. Hier lassen sich 20 Millionen cdm aufstauen. Die Gesamt 
summe von 222 Millionen cbm Wasser reicht nicht nur aus, um den Verlust, den 
die Weser bei Minden erleidet, vollständig zu decken, sondern darüber hinaus noch den 
Niedrigwasserstand so zu erhöhen, daß die Kanalisierung der Weser vollständig unter 
bleiben kann. Man hat deshalb statt der Kanalisierung der Weser den Bau von 
Talsperren im oberen Wesergebiet vorgesehen. 
Selbstverständlich ist der Nutzen, den zwei so bedeutende Becken, wie das Wal 
decker- und das Diemelsammelbecken leisten, nicht auf die Erhöhung des Niedrigwassers 
der Weser beschränkt, sondern es sind noch recht bedeutende Nebenvorteile zu erwarten. 
Vor allen Dingen werden die Becken dem Hochwasserschutz dienen, und große Wasser 
kräfte werden entstehen, die man zur Erzeugung von elektrischem Strom ver 
wenden wird. 
Die Kosten des Waldecker Sammelbeckens, das voraussichtlich Ende 1913 voll 
endet sein wird, mit allen Nebenanlagen betragen 19 750 000 M. 9 000 000 M kostet 
der Grunderwerb, 7 900 000 M die Sperrmauer, 2 850 000 Jl kosten die Wege und 
die sonstigen Anlagen.
	        
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