Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

582  Fünfter  Teil.  Verkehr.  IV.  Binnen-  und  Seeschiffahrt.

nommen  wurde,  waren  in  England  und  Schottland  vier  große  Schraubendampfer  in
Bau  gegeben.  Die  Abfahrt  des  ersten  transatlantischen  Dampfers  des
Norddeutschen  Lloyd,  „Bremen",  von  der  Weser  nach  New  Port  war  auf  den  19.  Juni
1858  festgesetzt  worden.  Fünf  Tage  vorher,  am  14.  Juni,  machte  dieser  Dampfer  seine
Probefahrt,  die  sich  zu  einer  erhebenden  patriotischen  Feier  gestaltete.  Am  19.  Juni
1858,  nachmittags  6  Uhr,  verließ  er  dann  die  Reede  von  Bremerhaven  zu  seiner  ersten
Ozeanfahrt,  die  direkt  auf  New  Jork  gerichtet  war,  mit  150  t  Frachtgütern,  22  Kajütsund
  93  Zwischendeckspassagieren.  Die  Ankunft  in  New  Port  erfolgte  am  4.  Juli,
morgens  7  Uhr.
Der  Norddeutsche  Lloyd  betreibt  gegenwärtig  43  Schiffahrtslinien,
nämlich  5  Linien  nach  Nordamerika,  1  nach  Kanada,  2  nach  Südamerika,  1  nach  Kuba,
1  nach  Oftafien,  2  nach  Australien,  1  Zweiglinie  im  Anschluß  an  die  ostasiatische  Hauptlinie ­
  von  Singapore  nach  Neuguinea,  5  Linien  im  Mittelländischen  Meer,  16  Zweiglinien ­
  im  Küsten-  und  Jnseldienst  des  Ostens,  1  Austral-Iapanlinie  und  8  europäische
Linien.  Außerdem  gehört  zum  Betrieb  der  Gesellschaft  eine  umfangreiche  Flußschifffahrt ­
  auf  der  Weser  und  in  Ostasien.
Die  Seeschiffe  des  Norddeutschen  Lloyd  haben  im  Jahre  1911  auf  ihren
Fahrten  durch  die  Weltmeere  eine  Strecke  von  5  713  000  Seemeilen  zurückgelegt,
das  ist  eine  Strecke,  die  hinreichen  würde,  um  265  mal  unseren  Erdball  zu  umspannen.
Auf  diesen  Reisen  sind  nn  ganzen  514  272  Passagiere  befördert  worden.  Diese
hohe  Zahl  ist  vermutlich  von  keiner  anderen  Dampfschiffahrtsgesellschaft  je  im  Weltverkehr ­
  erreicht  worden.  Bis  Ende  1911  wurden  auf  den  Schiffen  des  Norddeutschen
Lloyd  9  187  057  Personen  befördert.  An  Ladung  wurden  im  Jahre  1911  auf
den  verschiedenen  Linien  3  586  178  ebm  befördert.  Der  Verbrauch  an  Kohlen
betrug  ca.  28  Millionen  Jl,  an  Proviant  über  18Z4  Millionen  Jl.  Ende  1911
verfügte  der  Lloyd  über  ein  K  a  p  i  t  a  l  von  125  Millionen  Jl  Aktien  und  71  250  000  Jl
Anleihen.  Im  ganzen  waren  also  201250  000  Jl  im  Betriebe  und  in  den  Anlagen
des  Norddeutschen  Lloyd  investiert.
Seit  dem  1.  April  1892  hat  sich  die  Zahl  der  Dampfer  des  Norddeutschen  Lloyd
von  76  auf  197  vermehrt.  Gleichzeitig  ist  der  gesamte  Tonnengehalt  seiner  Flotte  einschließlich ­
  der  Neubauten  von  202  019  auf  825  801  gewachsen,  während  die  Zahl  der
Pferdekräfte  der  Maschinen  von  187  256  auf  611124  gestiegen  ist.  Ganz  überwiegend
konnten  die  seit  dem  Jahre  1892  in  Auftrag  gegebenen  Neubauten  auf  deutschen
Werften  ausgeführt  werden;  während  noch  im  Jahre  1892  von  der  Tonnage  des  Norddeutschen ­
  Lloyd  79  %  in  England  und  21  %  in  Deutschland  gebaut  waren,  ist  das  Verhältnis ­
  zur  Zeit  völlig  anders,  da,  mit  wenigen  Ausnahmen,  die  ganze  Lloydflotte
deutschen  Werften  ihre  Entstehung  verdankt.  Der  Gesamtwert  der  von  dem  Norddeutschen ­
  Lloyd  seit  dem  Jahre  1892  deutschen  Werften  in  Auftrag  gegebenen  Neubauten ­
  beläuft  sich  auf  rund  250  Millionen  Jl,  während  in  dem  nämlichen  Zeitraum
nur  für  9  Millionen  Jl  auf  ausländischen  Werften  gebaut  wurden.  In  den  letzten
Jahren  hat  er  überhaupt  keine  Dampfer  mehr  auf  ausländischen  Werften  bauen
lassen.
Die  Flotte  des  Norddeutschen  Lloyd  besteht  zur  Zeit  aus  425  Fahrzeugen,
von  denen  196  Dampfer  find.
Die  technischen  Fortschritte,  welche  die  Entwicklung  des  Norddeutschen  Lloyd  in
dem  letzten  Jahrzehnt  mit  sich  gebracht  hat,  kennzeichnen  sich  wohl  am  besten  dadurch,
daß,  während  im  Jahre  1892  seine  Dampferflotte  ausschließlich  aus  Einschraubendampfern ­
  bestand,  zurzeit  die  Zahl  seiner  Doppelschraubendampfer  nicht  weniger  als
62  beträgt,  von  denen  4  auf  Schnelldampfer  und  die  übrigen  58  auf  Reichspostdampfer ­
  und  auf  kombinierte  Fracht-  und  Passagierdampfer  entfallen.  An  Zahl  der
            
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