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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
Energie und die bewußte oder unbewußte Intelligenz an, mit
der die Natur es ausgestattet hat, um die größte Summe von
Lebenskräften gegen die geringste Kraftausgabe zu erlangen:
das ist das Gesetz der Kraftersparnis 1 ).
Das Gesetz der Konkurrenz beruht auf der Ungleichheit
der Individuen und der Arten. Die Konkurrenz bewirkt das
Überleben und die Anpassung der Stärkeren und den Untergang
der Schwächeren im Kampfe ums Dasein. Sie tritt in
drei Entwicklungsstadien auf: dem animalischen, dem politischen
und dem wirtschaftlichen.
In der Natur leben alle Klassen und Arten auf Kosten der
andern. Jede Klasse hat also genügend Individuen hervorzubringen,
um sich selbst und die hohem Klassen, denen sie
zur Nahrung dient, zu erhalten. Die Natur hat für diese Notwendigkeit
vorgesorgt, indem sie allen Arten eine üppige Fruchtbarkeit
gab, welche aber in dem Maße, als sie sich in der
Skala der Lebewesen erheben, abnimmt. In den niedern Arten
ist die Zeugungskraft am stärksten, weil diese alle andern
zu ernähren haben. Die Individuen, aus welchen diese bestehen,
treten zur Beschaffung von Nahrungsmitteln miteinander
in Konkurrenz und bemühen sich andererseits, dem Verzehrtwerden
durch andere Kategorien zu entgehen. In diesem doppelten
Kampf ums Dasein unterliegen die Schwächern.
Die Zahl der Individuen einer jeden Art hat eine von der
Natur gezogene Grenze. Vermehrt sie sich darüber hinaus, so
vermehren sich sofort die Arten, denen sie als Nahrung dient,
und verringern ihren Überschuß. Dieser leidet auch unter
dem Konkurrenzkampf der Individuen, welche ihn ausmachen.
Wenn jedoch eine Art verringert wird, sei es, weil sie weniger
Nahrung findet, sei es, weil die Arten, welche sie nährt, sich
zu stark mehren, so bewirkt die Reduktion eine Mehrung der
Zeugung innerhalb der betreffenden Art oder eine Minderung
der Zeugung innerhalb der hohem Arten, bis das von der Natur
gewollte notwendige Gleichgewicht wieder hergestellt ist.
Das ist das Gesetz der Konkurrenz. Es ist hart und grausam.
In der Stufenleiter des Lebens wird der Genuß des einen
*) Gr. de Molinari, Notions fondamentales d’économie politique et programme
économique, Paris 1891, p. 2 ff. Cfr. auch H. Pesch 8. J. Die philosophischen
Grundlagen des ökonomischen Liberalismus, Freiburg, 1899, p. 232 ff.