r-80
Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
gangenheit gehabt. Mit dem Wegfall der kriegerischen Konkurrenz
ist es aber völlig zwecklos geworden und kann nur
schädlich wirken.
In den ersten Zeiten der Kultur gab es fast ausschließlich
nur innern Tausch. Außenhandel gab’s nur für eine kleine
Anzahl von Luxus waren. Eine Verkehrsunterbrechung in Kriegszeiten
beraubte also die Völker weder der Existenz, noch der
Verteidigungsmittel. In dem Maße aber, als sich Industrie und
Verkehrsmittel entwickelten, nahm der Außenhandel zu. Da
zeigte sich die natürliche Inkompatibilität des Außenhandels und
des Krieges. Weil der Außenbezug von zur Existenz notwendigen
Gütern im Kriegsfall in Frage gestellt werden konnte,
so konnte es nützlich erscheinen, den Handel damit zu unterdrücken.
Allerdings hatte man in diesem Falle teurere Preise
für die im Inland hergestellten Produkte zu zahlen, als wenn
man sie vom Ausland bezogen hätte. Der Preisunterschied
stellte eine Prämie dar für die Sicherheit und das Vorhandensein
von Existenzmitteln im Kriegsfall. Andererseits sicherte
der Schutzzoll eine Verwendungsgelegenheit für die im Inland
vorhandenen Kapitalien und Arbeitskräfte zu einer Zeit, wo
sie draußen nur schwer und unsicher zu verwerten waren.
Auch vermehrte er die innere Produktion der geschützten
Güter, wenn er auch die Gesamtproduktion verringerte.
Das Schutzzollsystem ergänzte also die allgemeine äußere
Politik des Kriegszustandes. Es schloß Handelsbündnisse und
-Verträge nicht aus, ordnete diese aber den politischen Bündnissen
unter. Resultat desselben war aber Vermehrung der
Lasten für die Allgemeinheit der Kulturvölker, weil die einheimischen
Konsumenten den einheimischen Produzenten für
die geschützten Produkte mehr zahlen mußten, als wenn der
Handel frei gewesen wäre, und Verringerung der Produktivkraft
der Menschheit, wegen der künstlichen Züchtung der verschiedenen
Gewerbe an ungünstigem Standort. Das war aber nur
der geringere Schaden des Kriegszustandes und der ihm angepaßten
Handelspolitik.
In dem Maße, als sich die wirtschaftliche Konkurrenz
entwickelte, hat sich über alle Zoll- und politischen Grenzen
hinaus ein Wirtschaftsstaat gebildet, in welchen jedes Volk seinen