Ausfahren von Seitenthälern. 113
Das vorstehend erörterte Ausfahren von Seitenthälern ist auf der Brennerbahn,
erbaut 1864 — 1867 nach v. Etzels Entwurf, zweimal im größeren Maßstabe zur An-
wendung gebracht, bei Stafflach und bei Gosseusaß. Bei ersterem Orte biegt die Bahn
nach Abb. 77 aus dem Hauptthale der Sill in das hier auslaufeude Schmirner Thal
ein. Man erblickt vom Wagen aus hoch oben auf der anderen Thalseite die Mündung
des Tunnels, der die Richtnngsänderung vermittelt. Rechts öffnet sich ein herrlicher Blick
in das Valser Thal, dessen Hintergrund durch Gletscher abgeschlossen ist. Nach Durch
fahren des Tunnels wird dasselbe übersetzt und jetzt zur Linken erblickt. Die Bahn zieht
sich 60 in über der eben passierten Linie weiter am Südhang des Schmirner Thales
empor, um schließlich wieder mittels eines stark gewundenen Tunnels in das Sillthal ein
zubiegen und dieses weiter zu verfolgen. — Auf dem Abstiege der Brennerbahn in das
76. Die Sritanniabrückr über die Mrnrnstratzr. Älteste größere Eisenbahnbilleke aus Schmiedeisin.
Eisackthal fällt das Gelände zwischen den Stationen Schellenberg und Gosseusaß (Goten-
sitz [?]) steil ab. Beide Punkte liegen in der Wagerechten etwa 1100 m voneinander ent
fernt, in der Senkrechten dagegen 176 in untereinander, was bei direkter Linienführung
die Neigung von 167 °/ 00 (1: 6) ergäbe, also nur durch eine Zahnbahn erreichbar wäre.
Durch Ausfahren des durch seine Gletscher weitbekannten Pflerschthales (Abb. 78), wo
bei die Bahn mit ihren zwei untereinander liegenden Entwickelungsstreckeu an derselben
Thalseite bleibt, ist erreicht worden, daß die Neigung an keiner Stelle 22 °/ 00 (1:45)
überschreitet. Die Bahnlinie ist freilich dafür auch um mehr als 7 Km länger geworden.
Man gelangt daher auch zu Fuß schneller von Schellenberg nach Gosseusaß als mittels
des Zuges. Der am Ende des Pflerschthales gelegene Tunnel ist die erste Anwendung
eines längeren halbkreisförmig sich hinziehenden Kehr- oder Spiraltnnnels, wie solcher
später an der Schwarzwald- und vor allem an der Gotthardbahn in größerem Maßstabe
und fast kreisförmig verlaufend zur Anwendung gelangt ist. Die Fahrt auf derartig
entwickelten Bahnen gestaltet sich meistens äußerst genußreich infolge der wechselnden