Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

mern“  *).  Dementsprechend  setzt  sich  Guyot  zum  Ziele  „die
induktiven  Naturgesetze  zu  gewinnen,  in  welchen  die  universellen ­
  und  permanenten  Beziehungen  der  wirtschaftlichen  Erscheinungen ­
  zum  Ausdruck  kommen“  2 ).
Yves  Guyot  ist  auf  zwei  Dinge  sehr  stolz  :  erstens  auf
seine  Wertdefinition,  und  zweitens  auf  seine  Lösung  des  vielhundertjährigen ­
  Widerspruchs  zwischen  Gebrauchs-  und  Tauschwert, ­
  vermittelst  genau  präzisierter  Unterscheidung  der  Rollen
des  stehenden  und  des  umlaufenden  Kapitals  in  der  Volkswirtschaft. ­

Die  Wertlehre  Guyots  ist  eine  wesentlich  subjektive.  Sie
befindet  sich  zwar  noch  im  Stadium  der  Unfertigkeit,  ist  ungenügend ­
  und  verworren  begründet  und  nicht  ohne  Widersprüche, ­
  aber  einiges  Greifbare  bietet  sie  immerhin.
Zunächst  verwirft  Guyot  alle  objektiven  Werttheorien.
Insbesondere  verwirft  er  Smiths  Unterscheidung  von  Gebrauchsund ­
  Tauschwert  und  unterscheidet  statt  dessen  Brauchbarkeit
und  Wert.  Ganz  zutreffend  macht  er  gegen  Smith  geltend,
daß  derselbe  da,  wo  er  vom  Gebrauchswert  spricht,  andere
Größen  und  andere  Bedürfnisse  im  Auge  hat,  als  wo  er  vom
Tauschwert  spricht 3 ).  Den  Wert  definiert  Guyot  als  „die  Beziehung ­
  einer,  im  Besitze  eines  Individuums,  oder  einer  Gruppe
von  Individuen,  befindlichen  Brauchbarkeit  zu  den  Bedürfnissen  und
der  Kaufkraft  eines  oder  mehrerer  anderer  Individuen“ 4 ).  Dagegen
ist  der  Begriff  der  Brauchbarkeit  bei  Guyot  noch  nicht  zu  einer
bestimmten,  abgeklärten  Bedeutung  gediehen.  Manchmal  versteht ­
  er  darunter  die  objektive  Tauglichkeit  eines  Dinges  zur
Befriedigung  menschlicher  Bedürfnisse,  manchmal  die  subjektive
Schätzung  dieser  Tauglichkeit.  Aber  auch  diese  hat  wieder
0  Yves  Guyot,  loc.  eit.  p.  13.
2 )  ibid.  p.  X.,  p.  116.
3 )  ibid.  p.  80.
p.  98.  Die  Worte  „und  der  Kaufkraft“  sind  ein  Zusatz  der  3.  Ausi.
Guyot  setzt  nämlich  die  Intensität  des  Begehrs  gleich  dem  Bedürfnis  und  argumentiert: ­
  mehrere  Frauen  sehen  im  Schaufenster  eines  Juweliers  einen  Diamantenschmuck ­
  von  100  000  Frs.  und  begehren  ihn  mit  gleicher  Intensität.  Wenn
aber  unter  ihnen  nicht  einige  wären,  welche  die  Kaufkraft  besitzen,  denselben
zu  erwerben,  so  hätte  der  Juwelier  ein  wertloses  Ding  geschaffen,  als  er  den
Schmuck  zusammensetzte.  Folglich  muß  zu  dem  Bedürfnis  die  Kaufkraft  treten,
ibid.  p.  99.
            
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