Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Verwaltungsbeamten

127

Alfred  de  Foville,  Professor  der  Nationalökonomie  an  der
Ecole  libre  des  Sciences  politiques,  hat  in  der  Staatsverwaltung ­
  Karriere  gemacht 1 ).  Er  besitzt  in  hohem  Maße  die
dem  französischen  Charakter  eigene  Liebenswürdigkeit.  Diese
ist  der  dominierende  Zug  aller  seiner  Schriften 2 ).  Professor
Gide  sagt  von  ihm:  „Er  ist  zweifelsohne  ein  Statistiker,  wie
es  keinen  zweiten  in  der  Welt  gibt.  Geist,  Anmut  und  vollendete ­
  Kunst  weiß  er  in  diese  Wissenschaft  zu  tragen,  die  als
die  trockenste  von  allen  gilt,  unter  seiner  Feder  aber  zur  Freude
der  Leser  wird“  3 ).
Der  Nichtinterventionismus  präsentiert  sich  bei  de  Foville
als  das  selbstverständlichste  und  harmloseste  Ding  der  Welt.
Die  ewigen  Naturgesetze  der  Volkswirtschaft  stimmen  wunderbar ­
  mit  dem  Sittengesetz  überein,  und  „niemand  hat  mehr  zur
Besserung  der  Lage  der  Arbeiterbevölkerung  in  den  großen
Industriestädten  beigetragen  als  Villermé,  Llanqui,  Keybaud, ­
  Jules  Simon  usw.“ 4 ).
Als  Leiter  des  statistischen  Bureaus  im  französischen
Finanzministerium  führte  de  Foville  eine  Reorganisation  des
statistischen  Dienstes  des  Staates  durch;  insbesondere  bildete

1)  A.  de  Foville  hatte  ursprünglich  die  militärische  Laufbahn  eingeschlagen.
Als  Leutnant  nahm  er  seine  Entlassung,  studierte  .Rechts-  und  Staatswissenschaft
und  war  dann  der  Reihe  nach:  auditeur  am  Conseil  d'Etat,  Vorstand  des  statistischen ­
  Bureaus  des  Finanzministeriums,  Direktor  der  Pariser  Münze  und  seit  1900
conseiller-maître  an  der  Cour  des  Comptes.  Seit  1872  ist  er  Professor  an  der
Ecole  libre  des  Sciences  politiques,  von  1882—1893  dozierte  er  ebenfalls  am  Conservatoire ­
  des  Arts  et  Métiers.  Er  ist  ferner  Mitglied  der  Académie  des  Sciences
morales  et  politiques  und  seit  1897  Vorsitzender  der  Société  des  Etudes  économiques, ­
  einer  freien  Vereinigung  von  zumeist  früheren  Schülern  der  Ecole  des
Sciences  politiques.
2 )  de  Fovilles  hauptsächlichste  Schriften  sind:  Essais  sur  les  Variations  des
Prix,  Paris,  1873.  —  La  Transformation  des  Moyens  de  Transport  et  les  Conséquences ­
  économiques  et  sociales,  Paris,  1880.  —  L’Administration  de  l’Agriculture ­
  au  Contrôle  général  des  Finances  sous  Louis  XVI,  Paris,  1883.  —  Le
Morcellement,  Paris,  1885.  —  La  France  économique,  Statistique  raisonnée  et
comparative,  Paris,  1.  Ausi.  1887,  2.  Ausi.  1890.  —  Enquête  sur  les  conditions
de  l’habitation  en  France,  Paris,  1899.  —  La  Monnaie,  Paris,  1907.
3 )  Ch.  Gide,  Die  neuere  volkswirtschaftliche  Literatur  Frankreichs,  in
Schmoll  ers  Jahrbuch,  1895,  p.  719—720.
4 )  A.  de  Foville,  L’Economie  politique  dans  l’enseignement  secondaire,  in  :
Revue  universitaire,  15.  März,  1892,  p.  260  if.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.