Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  gegenwärtige  Lage  der  liberalen  Schule

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indem  man  diese  durch  enge  Vermengung  mit  der  Praxis
unkenntlich  machte“  *).
Emile  Worms  redet  im  weitern  einer  engern  Verbindung
von  Soziologie  und  Nationalökonomie  das  Wort.  Die  Aufnahme
soziologischer  Gesichtspunkte  und  Elemente  in  die  Nationalökonomie, ­
  die  Betonung  psychologischer,  ethischer,  religiöser,
biologischer,  hygienischer  usw.  Berührungspunkte  der  wirtschaftlichen ­
  Erscheinungen  mit  der  übrigen  Erscheinungswelt  hätte
für  die  Volkswirtschaftslehre  einen  doppelten  Nutzen:  sie  würde
an  Tiefe  wie  an  Breite  der  Erkenntnis  zunehmen.  An  Tiefe,
„weil  die  Soziologie  die  Bewegung,  die  Wandlung,  die  Evolution
voraussetzt  und  in  der  Zeit  tätig  ist“ i)  2 );  an  Breite,  „weil  die
Soziologie  alle  Erscheinungskategorien  der  sozialen  Welt  in
ihrem  tatsächlichen  Zusammenhang  erhält  und  sich  nur  um
deren  Resultante,  deren  Synthese  kümmert“ 2 ).  Etwas  klarer
werden  diese  Ausblicke  in  folgender  Formulierung  :  „Eine  soziologische ­
  Nationalökonomie  wäre  also  eine  Volkswirtschaftslehre,
welche  weder  einer  Reise  durch  die  Geschichte,  noch  einer
solchen  in  Gemeinschaft  aller  andern  konstitutiven  Elemente
des  sozialen  Lebens  aus  dem  Wege  ginge“ 2 ).
Die  Nationalökonomie  soll  jedoch  keineswegs  in  der  Soziologie ­
  aufgehen,  noch  letztere  in  ersterer.  Im  Gegenteil  :  es  muß
scharf  unterschieden  werden  zwischen  :  economie  politique,  économie
sociale  und  sociologie.
Gegenstand  der  „Economie  politique“  oder  Nationalökonomie ­
  sind  vornehmlich  die  Produkte,  welche  sie  durch  die  Stufen
der  Erzeugung,  der  Verteilung  und  des  Verbrauches  verfolgt 3 ).
Die  „Economie  sociale“  oder  Sozialpolitik  befaßt  sich
ausschließlich  mit  den  Produzenten,  ja  nur  mit  einer  Kategorie
von  Produzenten:  dem  vierten  Stande.
Die  „Soziologie“  gliedert  sich,  genau  wie  die  Nationalökonomie, ­
  in  theoretische  und  in  angewandte  Soziologie.

i)  Worms,  ibid.  p.  14.
a )  ibid.  p.  20—21.
a )  „Gewiß  kann  die  Nationalökonomie  nicht  außer  acht  lassen,  daß  die
Güterwelt  durch  und  für  den  Menschen  geschaffen  wird;  nichtsdestoweniger
ist  sie  vor  allem  die  Wissenschaft  vom  Reichtum,  welche  sich  nicht  übermäßig
bei  den  Interessen  der  teilweisen  Faktoren  dieses  Reichtums  aufhalten  darf.“
ibid.  p.  38.
            
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