Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Universitätsprofessoren

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sind,  müssen  sie  da  nicht  notwendig  die  natürliche  Ordnung
stören,  die  regelmäßige  Verkettung  der  Erscheinungen,  deren
Entdeckung  Sache  der  Wissenschaft  ist?"  Die  Antwort  auf
diesen  Einwurf  lautet:  „Die  Handhabe,  welche  der  Mensch  auf
die  Erscheinungen  der  Außenwelt  haben  kann,  unterliegt  selbst
dem  Determinismus.  Des  Menschen  Eingreifen  kann  diese  Erscheinungen ­
  modifizieren,  sie  komplizieren,  ohne  im  geringsten
die  Notwendigkeit  der  Beziehungen  oder  der  Gesetze,  welche
sie  regieren,  zu  beeinträchtigen.“  Der  deutschen  historischen
Nationalökonomie  wirft  Faure  Konfusion  von  Wissenschaft
und  Kunstlehre  vor 1 ).  Seine  eigene  Auffassung  von  den  Aufgaben ­
  beider  vertiefend,  ergeht  er  sich  in  Gedankengängen,  aus
denen  wir  einiges  Beachtenswerte  herausgreifen  wollen.  „Grundsätzlich,“ ­
  schreibt  er,  „paßt  die  Methode  der  Wissenschaft  auch
für  die  Kunstlehre.  Nur  der  Anwendungsmodus  kann  verschieden ­
  sein.  Die  Kunstlehre  verlangt  eine  gewissenhaftere
Tatsachenbeobachtung  als  die  Wissenschaft,  insbesondere  größere
Umsicht  im  Verallgemeinern  ....  Die  Wissenschaft  behandelt
das  Allgemeine;  die  Beziehungen,  welche  sie  feststellt,  müssen
konstant,  d.  h.  von  Zeit  und  Milieu  unabhängig  sein.  Die
Kunstlehre  dagegen  erfaßt  die  Tatsachen  in  einem  gegebenen
Momente  und  Milieu.  Die  Regeln,  die  sie  formuliert,  die  Maßnahmen, ­
  die  sie  empfiehlt,  sind  notwendig  zeitlichen  und  örtlichen ­
  Bedingungen  unterworfen  Die  Wissenschaft  kann
nicht  in  die  Grenzen  eines  Landes  oder  einer  Epoche  eini)

  „Die  Unterscheidung  von  Wissenschaft  und  Kunstlehre  wird  heute  in
Frankreich  und  in  England  von  den  meisten  Nationalökonomen  und  Soziologen
angenommen,  wenn  auch  nicht  immer  richtig  gefaßt.  Ganz  anders  in  Deutschland. ­
  Die  Konfusion  von  Wissenschaft  und  Kunstlehre  ist  eines  der  hauptsächlichsten ­
  Merkmale  der  seit  mehr  als  einem  halben  Jahrhundert  von  den  meisten
Nationalökonomen  und  Soziologen  Deutschlands  veröffentlichten  Schriften.  In
deren  Augen  wäre  der  Zweck  der  Sozialwissenschaft  ein  wesentlich  praktischer:
die  Besserung  der  Lage  der  Menschen.  Die  Nationalökonomie  insbesondere
hätte  zum  Ziele,  die  Mittel  ausfindig  zu  machen,  den  Reichtum  eines  gegebenen
Landes  zu  vermehren  und  diesen  besser  unter  dessen  Volksgenossen  zu  verteilen. ­
  Das  ist  die  Auffassung  der  sogenannten  historischen  oder  ethischen
Schule  .  .  .  Allgemein  ist  zu  bemerken,  daß  der  Sozialismus  unter  allen  Formen,
vom  Kathedersozialismus  an,  dessen  Lehren  ungesichert  und  dessen  Schlußfolgerungen ­
  furchtsam  sind,  bis  zum  radikalen  Kollektivismus  stets  Wissenschaft
und  Kunst  verwechselt  hat.“  Faure,  loe.  cit.
            
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