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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
behaupten, daß einer von beiden irrt . . . Jede der Gerechtigkeit
entsprechende Maßnahme kann nur gute wirtschaftliche
Wirkungen haben ; jede der Gerechtigkeit entgegengesetzte Maßnahme
kann nur schlechte wirtschaftliche Folgen haben“ *).
Genau so lesen wir’s in den philosophischen und theologischen
Summen des XIII. Jahrhunderts. Villey geht aber
noch einen Schritt weiter als die Scholastiker. Er nimmt den
Entwicklungsgedanken aufs Korn und polemisiert leidenschaftlich
gegen jede dynamische Weltanschauung 2 ). Dann aber
kommt eine Verbeugung vor der historischen Entwicklung. Das
Naturrecht, sagt Villey, ist und bleibt unveränderlich, nicht
aber die volkswirtschaftlichen Naturgesetze. Die Prinzipien der
klassischen Volkswirtschaftslehre sind keine Dogmen und bedürfen
einer Revision 3 ). Allerdings nicht an der Hand geschichtlicher
Erforschung der Entwicklung des wirtschaftlichen Geschehens.
Denn dafür hat Villey dieselbe Verachtung wie
Leroy -Beaulieu. Mit diesem stellt er jener Erforschung einen
Zug der Le Playschen Methodik: Beobachtung der gleichzeitig
heute auf der Erde vorhandenen Typen verschiedener Kulturstufen,
sowie die Statistik entgegen 4 ). Die erneute Untersuchung der
klassischen Dogmen unternimmt Villey aber doch so ziemlich
ausschließlich an der Hand der Beobachtung allgemeiner Erscheinungen
in den vorgeschrittensten Kulturstaaten. Manchmal
auch bleibt sie eine rationelle. Wo er z. B. das klassische
Dogma der Identität von allgemeinem und individuellem Interesse
prüft, um schließlich unverrückt an demselben festzuhalten 5 ).
Die Deduktion bleibt übrigens, trotz aller Beobachtung der
Gegenwart, in Villeys Methodik vorwiegend.
Die Beobachtung spielt eine große Rolle in der Volkswirtschaft,
meint er, kann aber nicht deren alleinige Grundlage
sein: 1. weil die Wirtschaftswissenschaft von der Rechtswissenschaft
unzertrennlich ist, und die wirtschaftlichen Beziehungen
von den Regeln der Gerechtigkeit und des Rechts regiert werden.
Das Recht aber hat aphoristische Grundlagen ; 2. weil
4 ) ibid. p. 18—15.
2 ) ibid. p. 8 ff.
3 ) ibid. p. 25.
4 ) ibid. p. 30—31.
5 ) ibid. p. 44 ff.