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24 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft.
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mehr oder weniger durch sie bestimmt. Übung, Vorbild anderer Geschöpfe und Ein-
flüsse der Umwelt können nur noch teils dem feineren Ausbau der ererbten Anlagen
dienen, teils diese in geringem Ausmaß zur Variation bringen. Indem ferner die
angeborene Anlage mit der leiblichen Organisation des Geschöpfes eng verbunden ist,
bezieht sich ihr Inhalt nur auf die leibliche oder biologische Welt. Beim Menschen
dagegen beziehen sich die angeborenen Anlagen auch auf die soziale und geistige
Welt. Und zwar beziehen sich auf sie seine plastischen Anlagen, während er für
das leibliche Bereich mit verhältnismäßig starren Anlagen ähnlich wie das Tier
ausgestattet ist. Die plastischen Anlagen haben im Gegensatz zu ihnen nur einen
formalen Charakter. Wir schreiben so dem Menschen einen Sinn für das Heilige als
ursprüngliche Anlage zu, ohne daß dadurch der Inhalt der religiösen Vorstellungen
und Handlungen bestimmt und so verhindert wäre, sich in einer unbeschränkten histo-
rischen Mannigfaltigkeit auszubreiten. Ähnlich besigt der Mensch eine Anlage, sich
dem überlegenen Menschen unterzuordnen. Aber durch welche Art Handlungen er
inhaltlich diese Bereitwilligkeit bekundet, wird durch sein jeweiliges Vorbild, d.h.
durch die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt. Die Erziehungsfähigkeit
des einzelnen Menschen und die Entwicklungsfähigkeit der Kultur ist ohne den
bildsamen Charakter der menschlichen Anlagen nicht denkbar (Näheres $ 17,2.).
Literatur: Eine gute, freilich kurze Darstellung der sozialen Ausstattung
des Menschen bei McDougall, Social Psychology, London o. J., S. 45—89. Manches
Einschlägige in ausführlicher Behandlung auch bei Karl Groos, Spiele der
Menschen, in den Abschnitten über die Nachahmungsspiele und sozialen Spiele (aus
dessen Werk im folgenden mehrere Einzelheiten übernommen sind ohne besondere
Quellenangabe). — Eine systematische Darstellung der angeborenen Anlagen des
Menschen überhaupt bei James. Psychology Il.
4A. Der Instinkt des Selbstgefühls.
Inhalt: Der Instinkt des Selbstgefühles hat zum Ziel, wertvoll zu sein und
als wertvoll zu gelten, derart, daß primär beides als eins erlebt wird. Träger des
maßgebenden Werturteiles ist nämlich ursprünglich die Gruppe, deren Anerkennung
oder Mißbilligung der Beurteilte nicht als ein äußeres Faktum, sondern als einen Teil
seines eigenen Wesens empfindet. Vermöge der damit gegebenen Abhängigkeit wird
der Einzelne von der Gruppe vielfach in seinen Handlungen beeinflußt im Sinne
siner Auswahl, Steigerung und Umbildung seiner ursprünglichen Willensrichtungen.
Durch die innere Unterordnung unter die Gruppe unterscheidet sich unser Instinkt
als ein spezifisch sozialer von der bloßen Freude am einfachen Kraft- und Macht-
vefühl als einem vitalen und damit außergesellschaftlichen Instinkt.
1. Den Gegenstand der folgenden Betrachtung bildet das angeborene
Sıreben des Menschen nach Wert und Geltung (wobei diese beiden Ziele,
wie wir sehen werden, ursprünglich eine Einheit ausmachen) und der
ihm entsprechende Affekt, den man als Bewußtsein des eigenen Wertes
und der eigenen Geltung bezeichnen kann. Im allgemeinen bleibt dieses
Streben im Hintergrunde des Bewußtseins und begleitet in dieser Ver-
fassung unser ganzes Seelenleben; gelegentlich wird es aber auch aktuell,
indem es in den bekannten Regungen des Selbstgefühls von positivem
und negativem Inhalt auftritt. Unsere Betrachtung hat vor allem seinen
sozialen Charakter zu betonen, nämlich die darin enthaltene