Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
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zugleich ein Moment von starker Werbekraft für seine Weltanschau 
ung in dem Bourgeoismilieu gewinnt, an das er sich wendet 1 ). 
Im Laufe des XIX. Jahrhunderts stellt sich nach Schatz- 
Deschamps der Individualismus in seinen verschiedenen For 
men den verschiedenen Gattungen des Sozialismus entgegen. 
Dem utopischen Sozialismus tritt der aristokratische Individualis 
mus der Spiritualisten in den 40er Jahren, dann der Liberalis 
mus Bastiats und der Orthodoxen entgegen. Dem politischen 
Sozialismus, welcher auf die Eroberung der öffentlichen Gewalten, 
die soziale Gesetzgebung, die plötzliche Gleichheit und Emanzi 
pation des Proletariats hinarbeitet, tritt der politische Liberalis 
mus entgegen, der die wirtschaftliche und politische Freiheit 
eng verbindet und die Achtung der individuellen Freiheit fordert. 
Dem christlichen Sozialismus tritt der christliche Individualismus 
entgegen, welcher die christlichen Ideen der Autorität, Gerechtig 
keit und Liebe mit der klassischen Lehre aussöhnt. Dem 
Sozialismus, der auf der Interpretation der Geschichte fußt, tritt 
die individualistische Interpretierung der geschichtlichen Tat 
sachen entgegen, dem Staatssozialismus, der nichtinterventioni 
stische Individualismus, welcher den modernen Staat in die not 
wendige Spezialisierung seiner Einmischung ins Wirtschaftsleben 
zurückverweist. Dem wissenschaftlichen Sozialismus gegenüber 
0 „Das Christentum führt die drei Begriffe der Autorität, der Gerechtig 
keit und der Liebe in den ökonomischen Liberalismus ein, ohne den ortho 
doxesten Grundsätzen desselben zu nahe zu treten. Weit entfernt, auch nur ein 
einziges liberales Prinzip in Frage zu stellen, gibt es denselben Anteil an der 
moralischen Stützkraft, die es besitzt, und macht die wissenschaftliche Lehre 
geeigneter, ein System sozialer Kunstlehre zu werden. Ohne das Christentum 
ist der Individualismus allerdings ein vollständig in sich geschlossenes System, 
aber in einer christlichen Gesellschaft, d. h. in einer Gesellschaft, die wirk 
lich und tief vom Geiste und der Moral Christi durchdrungen ist, ist er beson 
ders leicht durchführbar. Denn diese gleichen Ideen: Autorität, Gerechtigkeit, 
Liebe sind die wesentlichen Grundlagen der Erziehung, welche alle Liberalen für 
das Individuum verlangen, und die jede Moral ihm geben muß.“ ibid. p. 375. 
— p. 391 ff. führt Schatz aus, der Katholizismus habe sich den Fragen des Wirt 
schaftslebens in einer Weise angepaßt, welche sowohl eine intime Konnexion 
seiner Moral mit der Volkswirtschaftslehre, als eine völlige, allerdings häufig 
unbewußte Zustimmung zu den Prinzipien der klassischen, liberalen Lehre be 
deute. Schatz versucht, die behauptete Übereinstimmung des klassischen Libera 
lismus mit dem Katholizismus an der Hand einer großen Zahl katholischer Autoren 
des XIX. Jahrhunderts nachzuweisen.
	        
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