Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Universitätsprofessoren

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ventionismus  geneigt  macht.  Es  ist  ja  wohl  auch  nicht  zu
leugnen,  daß,  wie  wir  schon  oben  bei  der  Besprechung  J  o  urdan ­
  s  betont  haben,  ein  sieghaftes  Wiederaufleben  einer  liberalen
Volkswirtschaftslehre  in  Frankreich  nicht  ohne  sozialpolitisches
Verständnis,  das  einem  gemäßigten  Interventionismus  für  und
Tor  öffnet,  möglich  ist.  Wir  glauben  zwar  nicht,  daß  noch
von  Deschamps  ein  ausreichendes  Verständnis  dieser  Art  zu
erwarten  sei.  Viel  eher  von  den  jungen  agrégés  der  juristischen
Fakultäten,  die  seine  Schüler  sind.  Macht  schon  die  weite
Toröffnung  von  Des  champs’  Individualismus  dieselben  an
und  für  sich  zu  Kompromissen  geneigt,  so  kommt  noch  dazu,
daß  sie  nicht  nur  Deschamps,  dem  sie  sich  allerdings  besonders ­
  anschlossen,  in  Nationalökonomie  gehört  haben,  und  daß
sich  ihr  Bildungsgang  unter  gleichzeitiger  Aufnahme  interventionistischer ­
  und  nichtinterventionistischer  Anschauungen  vollzog.
Endlich,  last  not  least,  bieten  die  außerordentlich  herzlichen,
kollegialen  Beziehungen,  welche  die  Professoren  der  juristischen
Fakultäten  Frankreichs,  welches  auch  der  Abstand  ihrer  wissenschaftlichen ­
  Standpunkte  sei,  untereinander  verbinden,  eine  vorzügliche ­
  Grundlage,  auf  welcher  gemeinsames  Arbeiten  von
Fachgenossen  nach  einheitlichen  Gesichtspunkten  und  damit
die  bereits  angedeuteten  Konzentrationsbestrebungen  in  jüngster
Zeit  Ansätze  zur  Verwirklichung  machen 1 ).  Ob  die  vielfach
ersehnte  Einheitslehre  zur  vollen  Ausreife  gelangen  wird,  ob  sie
ein  mehr  individualistisches  und  staatsfeindliches  oder  ein  mehr
interventionistisches  Gepräge  tragen  wird,  ist  heute  nicht  zu
bestimmen.  Sicher  ist,  daß  Deschamps’  Individualismus,  insoweit ­
  er  die  Selbstbestimmung  und  Selbstbetätigung  des  Individuums ­
  verkündet,  ein  vorzügliches  Erziehungsmittel  für  die
Nation  bedeutet,  das  Beachtung  weit  über  die  Kreise  der  reaktionären ­
  Bourgeoisie  hinaus  verdient,  in  welcher  es  zunächst
Anklang  gefunden  hat.
i)  Als  erster  Versuch  gemeinsamen,  wissenschaftlichen  Arbeitens  kommt
die  Schrift  Questions  monétaires  contemporaines,  Paris,  1905,  in  Betracht.  Sie
ist  von  einer  Reihe  (10)  jüngerer  Fakultätsmitglieder  verfaßt  und  mit  Vorworten
von  Cauwes,  Souchon  und  Bourguin  versehen.  Neuerdings  stellt:  Histoire  des
Doctrines  économiques,  von  Charles  Gide  und  Charles  Rist,  Paris,  1909,  eine
gemeinsame  Arbeit  nach  bereits  einheitlichem  Gesichtspunkten  dar.
            
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