Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die liberale Schule 
Für die Verwirklichung des „ordre naturel“ werden als 
grundlegende Voraussetzungen postuliert: Freiheit der Person, 
Sicherheit des Eigentums, Freiheit der wirtschaftlichen Betäti 
gung (Arbeits-, Anbau-, Gewerbe-, Handelsfreiheit). 
Die Lehre von der alleinigen Produktivität des Ackerbaus 
(Bergbaus, Abbaus von Steinbrüchen) beruht auf dem Irrtum, 
daß nur die Rohproduktion neue Werte erzeuge, weil sie allein 
zu dem vorhandenen Stoffvorrat neue Stoffe hinzufüge, welche 
den „produit net“ bilden 1 ). Die produktive, d. i. die Ackerbau 
treibende Bevölkerungsklasse gibt diesen „produit net“ an die 
Klasse der Grundbesitzer ab. Von dieser gelangt er in die 
Hände der „unfruchtbaren“ Klasse der Handwerker, Kaufleute, 
sowie der von persönlichen Diensten Lebenden (höhere Berufe, 
Arbeiter, Dienstboten usw.). Persönliche Dienste, Handel, Stoff 
veredlung durch die Gewerbe sind zwar nützliche Beschäftigungen, 
aber unfruchtbar, denn sie fügen dem Nationalreichtum keine 
neuen Stoffe oder Wertträger bei; ihr Einkommen wird restlos 
dem „produit net“ der Rohproduktion entnommen. 
Die Wirtschaftspolitik der Physiokraten hat natürlich als 
oberstes Prinzip die Nichtintervention des Staates ins Wirtschafts 
leben. Aber schon sie erkennen tatsächlich an, nicht ausdrück 
te der dritten Phase erscheint die Harmonie der Interessen nicht mehr 
als eine bewußte und gewollte, sondern als eine objektiv in der Natur der Dinge 
gegebene, indem sie in einer auf Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaftsordnung 
als natürliche Folge aus dem Ineinandergreifen der menschlichen Handlungen 
hervorgeht. „Das Prinzip der spontanen Wirtschaftsordnung ist damit auf die 
tiefen, beständigen Naturtriebe des Menschen fundiert.“ Dieser Gedanke wurde 
zuerst von Manäeville (The Fable of the Bees or Private Vices, Public Benefits, 
zuerst: London 1706, als Flugblatt) entwickelt. Vgl. Schatz L’Individualisme 
économique et social, Paris 1907, p. 43 ff., 61 ff. 
*) Die naheliegende Konsequenz, der (natürliche) Wert eines Dinges werde 
durch die Menge Rohstoff bedingt, die es enthalte, haben die Physiokraten aller 
dings nicht gezogen. Für sie wird der Wert durch die Konkurrenz von Käufern 
und Verkäufern bestimmt. Die Unterscheidung von Markt- und Normal- oder 
natürlichem Wert, welche seit den Naturrechtslehrern Hugo Grotius, Pufen 
dorf usw. üblich war, wird von den Physiokraten nicht gemacht. Für sie sind 
beide identisch. Folgerichtig ist dies in anderer Richtung, wenn nämlich die 
natürliche und die sittliche Ordnung übereinstimmen, d. h. wenn der Preis, wie 
er sii h in dem Streben von Käufer und Verkäufer nach dem größtmöglichen 
Gewinn bildet, sowohl der natürliche als der gerechte ist. Vgl. Brentano. Die 
Entwicklung der Wertlehre, München 1908, p. 35 ff.
	        
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