Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Schule  der  Science  sociale

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Le  Play  hatte,  wie  wir  gesehen  haben,  drei  Arten  von
Familientypen  unterschieden:  die  patriarchalische  Familie,  die
Stammfamilie  und  die  unbeständige  Familie.  Unterscheidungsmerkmal ­
  war  das  Erbsystem.  Die  auf  Testierfreiheit  und  Einzelerbfolge ­
  gründende  Stammfamilie  galt  ihm  als  Ideal.  Als
Muster  der  Stammfamilie  hatte  er  in  seinem  Werk  L'Organisation
de  la  Familie  eine  von  ihm  beobachtete  Familie  von  Bergbewohnern ­
  der  Pyrenäen  (la  famille  Melouga)  hingestellt 1 ).
Demo  lins  glaubte  nun  entdeckt  zu  haben,  daß  diese  Familie
nach  der  von  Le  Play  aufgenommenen  Monographie  derselben
eher  gemein  wirtschaftliche  Züge  aufweise  und  infolgedessen  zum
patriarchalischen  Typus  gehöre.  Die  Bergbewohner  wurden  infolgedessen ­
  in  verschiedenen  Gegenden  mittels  de  Tour  villes
„Nomenclature“  einer  Enquete  unterworfen,  um  diesen  Punkt
aufzuhellen.  Pinot  übernahm  den  beimischen  Jura,  de  Tourville
  und  Dem  oli  ns  die  Auvergne  und  Butel  die  Vallée
d’Ossau  in  den  Pyrenäen.  Gleichzeitig  bereiste  Paul  de  Bousiers ­
  die  von  Claudio-Jannet  und  Le  Play  so  verschrienen
Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  welche  sich,  der  Prophezeiung
Olaudio-Jannets  entgegen,  in  blühendem  Aufschwung  befanden. ­

Die  Erforschung,  insbesondere  der  Vallée  d'Ossau  ergab,  daß
der  pyrenäischen  Familie  allerdings  der  von  Le  Play  als  für
die  Stammfamilie  wesentlich  angesehene  Zug  des  ungeteilten
Erbübergangs  eigen  war.  Andererseits  aber  stellte  Butel  fest,  daß
dort  „Arbeit  und  Eigentum  zum  größten  Teil  kollektiv  organisiert ­
  sind;  daß  der  Erbe  Autorität  über  seine  Brüder  behält;
daß  das  Los  der  jüngeren  Kinder  sich  nie  ganz  von  dem  der
Gemeinschaft  trennt;  daß  endlich  die  Familienmitglieder  zwar
zum  Teil  auswandern,  aber  mit  der  Absicht,  wieder  zu  kommen,
nicht,  um  sich  draußen  ein  eigenes  Heim  zu  gründen“  2 ).  Alles
das  sind  charakteristische  Züge  der  patriarchalischen  Familie.
Die  große  Zahl  von  unverheiratet  bleibenden  Kindern  erklärt
sich  aus  der  Beschränktheit  der  Hilfsquellen  und  den  Schwierigkeiten ­
  der  Kultur  im  Gebirge 2 ).
Paul  de  Bousiers  berichtete  in  seinen  Briefen  an  Demolins
aus  Amerika,  die  dortige  angelsächsische  Familienformation  beb
  Le  Play,  L’Organisation  de  la  Famille,  p.  82,  128,  187—188.
2 )  Butel,  La  Vallée  d’Ossau  in  :  La  Science  sociale,  Bd.  XIV,  p.  235  ff.
            
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