Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

308  Die  katholischen  und  verwandten  Schulen  in  der  Gegenwart

die  berufliche  Organisation  der  Arbeiter  und  der  kollektive
Arbeite  ver  trag  verlangt  *).
Die  Schule  der  Science  sociale  hat  in  der  kurzen  Zeit
ihres  Bestehens  eine  stattliche  Literatur  zutage  gefördert.
A.  de  Préville  hat  den  afrikanischen  Kontinent  zum  Gegenstand ­
  seiner  Spezialstudien  gemacht  und  in  dem  Werke  „Les
Sociétés  africaines“  eine  Ergänzung  zu  Demolins’  „Les  grandes ­
  Routes  des  Peuples“  geschaffen.  —  P.  Roux  hat  mehrere
Familienmonographien  in  Deutschland  ausgenommen,  welche
dartun  sollen,  wie  der  Typus  der  partikularistischen  Familie
(Odinssöhne)  sich  beim  Verbleiben  bei  ausschließlichem  Ackerbau ­
  oder  beim  Übergang  z.  B.  zu  Viehzucht  und  intensiver
Bodenkultur  entwickelt 2 ).  —  d’Azambuja  hat  sein  Augenmerk
P  Edmond  Bouchié  de  Belle,  Frédéric  le  Play,  sa  Méthode  et  sa  Doctrine,
Faszikel  36  der  neuen  Folge  von  La  Science  sociale,  Mai  1907.  Bouchié  de  Belle
schreibt  unter  andern:  :  „Es  war  ein  schwerer  Beobachtungsfehler  von  seiten
Le  Plays,  die  Arbeiterfragen  ausschließlich  durch  Patronage  lösen  zu  wollen...  .
Seit  dem  Tode  Le  Plays  haben  die  alten  Gebräuche  des  Patronage  beständig
abgenommen.  Sie  bestehen  nur  mehr  in  einer  geringen  Zahl  von  Arbeitsstätten
und  werden  auch  da  nirgends  vollständig  angewandt.  Trotzdem  beweist  die
Erfahrung,  daß  die  neue  Ordnung  der  Dinge  nicht,  wie  es  Le  Play  glaubte,
notwendig  Unordnung  und  Leiden  in  der  Arbeiterklasse  verursacht.  Es  gibt
Länder,  in  denen  der  Wohlstand  dieser  Klasse  vielmehr  ohne  Unterlaß  steigt
und  deren  Lage  sich  hebt,  während  der  Patronage  dort  nur  eine  untergeordnete
Rolle  spielt.  England  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  bieten  dafür
das  beste  Beispiel.  Das  Verschwinden  der  alten  Patronagebeziehungen  zwischen
Arbeitgebern  und  Arbeitern  ist  nicht  eine  Folge  gewollter  Mißachtung  der  traditionellen ­
  Pflichten  seitens  der  beiden  Parteien,  sondern  eine  Folge  der  Natur
der  Dinge  und  der  neuen  Arbeitsbedingungen  Die  Konkurrenz  versetzt
die  einzelnen  Betriebe  in  eine  Lage,  welche  langfristige  Arbeitsverträge,  Bindung
mehrerer  Generationen  einer  Familie  an  eine  Fabrik  unmöglich  macht.  Der
Patronage  vermag  die  Löhne  nicht  vor  dem  Sinken  zu  bewahren,  «
loc.  cit.  p.  75—76.  —  Über  den  beruflichen  Zusammenschluß  der  Arbeiter  und
den  kollektiven  Arbeitsvertrag  vergleiche:
E.  Demolins,  L’Organisation  du  Travail.  Réglementation  ou  Liberté.
Faszikel  4  der  neuen  Folge  von  La  Science  sociale,  Paris,  1904  (Geschichte  des
Berufsgenossenschaftswesens)  und:  Paul  Bureau,  Le  Contrat  de  Travail.  Le  Rôle
des  Syndicats,  Paris,  1902.  (Ein  begeistertes  Plaidoyer  für  den  kollektiven
Arbeitsvertrag.)  Vgl.  dazu  meine  Besprechung  in  :  Archiv  für  Sozialwissenschaft
und  Sozialpolitik,  Neue  Folge,  20.  Bd.,  1.  Heft,  p.  193.
2 )  Paul  Roux,  Le  Bauer  de  la  Lande  du  Lunebourg.  —  Le  littoral  de  la
Plaine  saxonne;  le  type  des  Marschen.  Faszikel  23  und  35  der  Neuen  Folge
der  Science  sociale.
            
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