Das sozialkatholische Zentrum
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Leos XIII. mit einem hoch entwickelten Sinn für das Tatsäch
liche. Mit bewundernswerter Grazie und Eleganz geht er einen
Weg der mittleren Linie, häufig an die Art Pellegrino Possis er
innernd 1 ).
Die deutsche ethisch-historische Schule, die christlichen
Sozialpolitiker Deutschlands, die französischen Universitätslehrer
und der französische Sozialkatholizismus sind dem Verfasser alle
nur eins: die große interventionistische Schule der National
ökonomie. Sie bewegt sich in den Traditionen des christlichen
Staates des Mittelalters, welche die französische Revolution ge
waltsam unterbrochen hat. Nach dieser Verbeugung nach rechts
bekennt sich der Verfasser zur bestehenden individualistischen
Wirtschaftsordnung, entwickelt die römisch-rechtliche Eigentums
lehre als die einzig richtige, von der katholischen Theologie
sanktionierte, und behandelt das Corporations- und Genossen
schaftswesen als Dinge von untergeordneter Bedeutung.
Die starke Seite des Antoine sehen Lehrbuches liegt darin,
daß es immer und überall von dem Gesichtspunkt geleitet ist,
die Lehre und Politik des Sozialkatholizismus müßten nicht nur
den a priori aufzustellenden Grundsätzen entsprechen, sondern
auch der Kontrolle der Beobachtung und Erfahrung unterworfen
sein. Deduktion und Induktion müssen sich also die Hand
geben. Die Quellen, aus denen die christliche Nationalökonomie
die Prämissen der Deduktion schöpft, sind einerseits : das kirch
liche Dogma, die volkswirtschaftlichen Anschauungen, welche
uns in den Enzykliken Leos XIII. entgegen treten, das Natur
recht und dessen Anwendungen in der Moraltheologie ; anderer
seits: die Gesetze der „reinen“ Ökonomik. Aus diesen beiden
Arten von Quellen sind die unmittelbaren Regeln der mensch
lichen Tätigkeit zu folgern. Die Rolle der Induktion ist: 1. die
allgemeinen Grundsätze der menschlichen Tätigkeit durch das
b Au einer Stelle (p. 14 der 3. Ausi.) macht Antoine sich übrigens ein
Argument zu eigen, welches wir bei P. Rossi begegneten: „Die Wissenschaft,
welche das materielle Gedeihen der Gesellschaft und die Güterwelt zum Gegen
stand hat, muß jener andern untergeordnet sein, die das gesamte Gedeihen,
die Gesamtentwicklung des sozialen Körpers zum Gegenstand hat. Die Sozial
ökonomie ist notwendig der allgemeinen Politik untergeordnet und im Konflikts
falle muß diese über jene den Vorrang haben: der Teil muß dem Ganzen
weichen.“