Das sozialkatholische Zentrum
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Sein Katechismus ist sehr einfach : er enthält zwei große Ab
schnitte, von denen der eine die Beziehungen des Menschen zu
den irdischen Gütern, der andere die Beziehungen der Menschen
untereinander betrifft. An der Spitze des ersten Abschnittes
stehen folgende wesentlichen Sätze: Im Schweiße deines An
gesichts sollst du dein Brot essen (Genesis); wer nicht arbeiten
will, soll auch nicht essen (Paulus); die Güter sind zum gemein
samen Gebrauche aller da (Thomas von Aquin). Der zweite
Abschnitt wird von der Idee beherrscht, daß der Wille des
Menschen, selbst wenn er durch Verträge festgestellt und rati
fiziert ist, gegen die natürliche Gerechtigkeit nicht gelten kann ;
daß diese natürliche Gerechtigkeit allen die Pflicht und das
Recht zum Leben verleiht ; daß diese Pflicht unverletzlich und
dieses Recht unveräußerlich ist ; daß gewisse Mißbräuche unserer
Wirtschaftsordnung an sich schlecht und dem christlichen Rechte
entgegen sind, selbst wenn die, welche darunter leiden, sie ak
zeptieren. Das ist das Credo der Sozialkatholiken“ *).
Der apostolische Missionar de Pascal, Professor am Col
lège libre des Sciences sociales, wirft sich zum Ver
teidiger des Gesetzes der historischen Kontinuität auf und macht
sich die soziologische Analogie der menschlichen Gesellschaft
mit dem lebenden Organismus zu eigen 2 ).
Max Turmann, Professor der Staats Wissenschaften an der
Universität Freiburg in der Schweiz, hat ein von der französi
schen Akademie preisgekröntes Werk geschrieben, welches einen
vollständigen Überblick über die Entwicklung der Doktrin seiner
Schule seit der Enzyklika Rerum novarum geben will 3 ). Er
gruppiert die sozialkatholischen Anschauungen um die Begriffe :
Arbeit, Familie, berufliche Organisation, Intervention der öffent
lichen Gewalten, Kapitalismus, internationaler Arbeiterschutz.
Dabei stellt er unter anderem fest, daß die Sozialkatholiken das
Eigentum, das private wie das kollektive, schützen, aber den
Kapitalismus, d. h. „das System, welches dem Kapital eine über-
‘) Gr. Goyau, Autour du Catholicisme social, Bd. I, p. 14—15.
2 ) P. de Pascal, Les lois essentielles de la Société, in: Association catho
lique, 1900, Bd. Il, p. 102 ft’. Vgl dazu: M. Eblé, Les Ecoles catholiques d’Eco-
nomie politique et sociale en France, Paris, 1905, p. 323 ff.
8 ) Max Turmann, Le développement du Catholicisme social depuis l’En
cyclique Herum novarum, Paris, 1900.