Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

356 
Der Interventionismus an den Universitäten 
sch einungsgebiet heran und beobachtete auf seinen Reisen durch 
England Tatsachen, welche nicht mit den einfachen, übereilten 
Verallgemeinerungen der orthodoxen Volkswirte übereinstimmten. 
Durch seinen Appell an das Gefühl, seine Sympathie für die 
Arbeiter, seine Kritik der grobindustriellen Entwicklung, des 
Konkurrenzsystems, sowie des persönlichen Interesses als alleiniger 
Triebfeder des wirtschaftlichen Handelns arbeitete er der im 
weitern Verlauf des XIX. Jahrhunderts spontan wieder auf 
lebenden Reaktion gegen das laisser faire vor. Durch seinen 
Appell an die Staatsintervention endlich ist er ein Vorläufer der 
Katheder- und Staatssozialisten. Er war der erste, der Arbeiter 
schutzgesetze verlangte, und der dem Staate wieder eine aus 
dem historischen Ineinandergreifen von Volkswirtschaft, Recht 
und Sitte sich ergebende Rolle im Wirtschaftsleben vindizierte. 
Sismondis unmittelbarer Einfluß auf die Zeitgenossen 
war gering; von den klassischen Volkswirten nahmen Blanqui 
und DroZj wie wir im I. Buch gesehen haben, von ihm die Ge 
danken an, daß den Verteilungsfragen nicht minder Aufmerk 
samkeit zuzuwenden sei als der Produktion der Güter, und daß 
staatliche Arbeiterschutzgesetze notwendig seien, ohne jedoch 
darum auf die klassischen Lehren zu verzichten. Die von 
Théodore Fix 1833 gegründete Revue mensuelle d’Economie politique, 
die nur ein kurzes Dasein fristete, stellte sich anfangs in den 
Dienst Sismondis, ging aber bald zur klassischen Schule 
über. Als direkten Schüler Sismondis kann man nur den 
jungverstorbenen Buret ansehen. Sein Buch „La Misère des 
classes laborieuses en France et en Angleterre“ (2 Bde. Paris, 
1841) ist von Sismondischen Ideen erfüllt. Wir haben im 
II. Buch gesehen, daß auch de Villeneuve-Bargemont häufig bei 
Sismondi schöpft. Mehr Beachtung fand letzterer bei den 
Sozialisten. Louis Blanc entnimmt ihm seine Argumente gegen 
die freie Konkurrenz, Rodbertus seine Krisentheorie, Karl Marx 
eine Reihe von Anschauungen, die er in den §§ 60 und 61 des 
kommunistischen Manifestes auszählt, und von denen die Ideen 
von der Konzentration des Kapitals in den Händen Weniger 
und der zunehmenden Verelendung der Massen die Hauptsache 
sind. Erst nach dem siegreichen Durchdringen der deutschen, 
historisch-ethischen Schule erinnerte man sich Sismondis; 
seine Werke wurden neu gedruckt und übersetzt, und die Insto-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.