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Der Interventionism us an den Universitäten
Unterstützung und Belohnung der Arbeit verwendet wird“ *).
Dupont-White stellt die Frage nach der Abgrenzung der
respektiven Betätigungssphären des Staates und der Individuen
und beantwortet sie wie folgt: „Nichts bietet sich bisher, was
als Kriterium dienen könnte für die Trennung dessen, das dem
Staate, von dem, was dem Individuum gehört. Man wird in
jedem Einzelfalle, je nach der Lage, das Gleichgewicht zwischen
diesen beiden Kräften herstellen“ 2 ). Und ferner : „Bedenkt
doch, wenn ihr vom Individuum und dem Staate redet, daß es
sich dabei um zwei Kräfte, wie das Leben und das Recht,
handelt Am Recht ist es, dem Leben auf Schritt und
Tritt zu folgen, indem es- dasselbe eindämmt oder anfeuert, je
nachdem es ein Übriges tut oder ausläßt“ 3 ). Mit dem vollen
Optimismus Bastíais, gegen den Dupont-White sich so
temperamentvoll auflehnt, schließt er, daß dem Individuum
bei aller Ausdehnung der Staatstätigkeit keine Gefahr drohe,
weil das Individuum „das Leben“ und darum „unvergäng
lich“ sei 4 ).
Der Staatssozialismus von Dupont-White ist in Deutsch
land von Adolf Wagner und andern an Intensität erreicht und an
systematischem Ausbau übertreffen worden. In Frankreich
aber stellt er einen Höhepunkt dar, hinter dem das inter
ventionistische Denken seither zurückgeblieben ist. Die weitere
Entwicklung dieses ist eng mit dem Eindringen der National
ökonomie in die französischen Universitäten verknüpft. Darum
zunächst davon.
’) Dupont-White, Capital et Travail, p. 353, 398. — LTndividu et l’Etat,
p. 81 ff.
2 ) Dupont- White, LTndividu et l’Etat, p. 298 ff.
8 ) Dupont-White, Einleitung zu Mills Liberty p. VU, XIII.
4 ) ibid. p. LXXXIX.
Über Dupont-AVhite vgl. Ch. Rist, Le Socialisme d’Etat, in: Gide et Rist,
Histoire des doctrines économiques, Paris 1909, p. 509—513; Henry Michel,
L’Idée de l’Etat, Paris 1896, p. 572—578.