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Der Interventionismus an den Universitäten
7 für Agrargesetzgebung und -politik (4. Studienjahr). Außer
dem gibt es noch an der juristischen Fakultät in Paris einen
von der Gräfin de Chambrun gestifteten Lehrstuhl für Sozial
politik (Prof. Ch. Gide), sowie einen Lehrstuhl für Statistik
(Prof. F. Faure).
Die volkswirtschaftlichen Vorlesungen an den juristischen
Fakultäten sind meist zwei- bis vierstündig und erstrecken sich
auf das ganze Studienjahr ; das akademische Viertel kennt man
in Frankreich nicht. Die Reform von 1907, durch welche der
nationalökonomischen Vorlesung im ersten Studienjahr des ju
ristischen Trienniums eine weitere im zweiten Studienjahr bei
gegeben wurde, hat bereits die Veröffentlichung zweier, er
weiterter Handbücher für Prüfungskandidaten zur Folge gehabt 1 ).
Wie diese beiden Vorlesungen sich gegenseitig ergänzen, wird
sich erst herausstellen müssen. Die Einteilung des Stoffes in
Volkswirtschaftslehre und Volkswirtschaftspolitik hat keine
Aussicht, in Frankreich Nachahmung zu finden. Die Vorlesung
über Nationalökonomie im vierten, dem Doktoratsjahre, wird zu
meist der eingehenderen Darlegung irgend eines Spezialgebietes
gewidmet. In der Vorlesung über Geschichte der volkswirt
schaftlichen Lehren wird der Tatgeschichte mehr oder weniger
Raum gegeben. Allerdings genießt die Wirtschaftsgeschichte,
für welche eigene Lehrstühle an den juristischen Fakultäten
nicht bestehen 2 ), bei weitem nicht dieselbe Achtung wie in
Deutschland. Die Vorlesungen über Gewerbegesetzgebung und
9 Charles Gide, Cours ¿'Economie politique, Paris, 1909, Larose et Penin,
eine erweiterte Bearbeitung der allbekannten „Principes ¿'Economie politique“
desselben Verfassers. — Ad. Landry, Manuel ¿’Economique, Paris, 1908, Giard
et Prière. — Wir kommen unten auf beide zu sprechen.
2 ) Wirtschaftsgeschichtliche Lehrstühle gibt es an französischen Hoch
schulen drei: der 1869 für Levasseur am College de France geschaffene Lehr
stuhl (Wirtschaftsgeschichte, -geographic und -Statistik); der 1900 aus dem Volks
hochschulunterricht der Stadt Paris an das Conservatoire national des Arts et
Métiers herübergenommene Lehrstuhl für Geschichte der Arbeit (früher Andre
Réville, jetzt Georges Renard); endlich der für denselben Georges Renard (früher
Professor an der Universität Lausanne und Herausgeber der Revue socialiste)
1905 am Collège de France geschaffene Lehrstuhl ebenfalls für Geschichte der
Arbeit. Levasseur liest über diejenigen Gebiete, über welche seine im I. Buch
besprochenen Werke handeln. Renard liest über französische und englische
Arbeiterverhältnisse im XIX. Jahrhundert. Auch der jetzige Inhaber des für