Object: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Standpunkt der besten und schärfsten Erkenntnisse der Gegen 
wart aufmerksam betrachtet wird, einen auffallenden Eindruck. 
Man wird nämlich nur zu deutlich gewahr, wie leicht ihm die 
später schwer wiegenden Gedanken entschlüpften oder sich, 
kaum halb erfasst, gleich wieder in etwas Bedeutungsloses ver 
wandelten. Was er mit einer nicht geringen Naturanlage für 
freie, oft kühne Combinationen als ein Geistesspicl hin warf, 
welches er ebenso leicht ergriff, als wieder verlicss und ohne 
ernstere Consequenzen preisgab, — das darf heute nicht als 
Beurkundung eines selbständigen Wissens in Anspruch genom 
men werden, zumal wenn das Ganze der Abhandlungen oder 
auch nur das der gesammten Schriften damit nicht überein- 
stimmt, 
4. William Petty (1G23—87), Engländer im engem Sinne 
des Worts, Sohn eines Tuchmachers, hatte sich in allen Haupt 
punkten zuerst autodidaktisch entwickelt und war auf diese 
Weise zu einer Bildung gelangt, die neben vieler Selbständig 
keit auch ein grosses Maass Rohheit enthielt und die Wirkun 
gen eines niedrigen, dem gewöhnlichsten Leben angehörigen 
Ausgangspunkts nicht abzulegen vermochte. Die Mischungen 
derselben mit späterer Schulung und mit mehrfacher prakti 
scher Thätigkeit als Mediciner, Landvermesser und in öffent 
lichen Stellungen, welche bei mehr Erwerbstrieb als Gewissen, 
zur Aneignung colossaler Summen Gelegenheit gaben, erzeugten 
in dem leichtlebigen Charakter ein Geistesgepräge, welches ein 
ziemliches Maass leichtfertiger Denkungsart einschloss und an 
eigentlichem Ernst vorzugsweise nur die geschäftsmännische 
Art desselben kannte. In rein wissenschaftlicher Beziehung 
kam daher zu dem Mangel an logischer Durcharbeitung, welcher 
dem speciffschen Engländer im Gegensatz zum Schotten eigen 
st, und welcher sich in der Vorliebe für Aufzählungen nach 
der Art des zweiten Bacon auch bei den ökonomischen Schrift 
stellern recht sichtbar bekundet hat, noch eine cigenthümliche 
Spielart so zu sagen statistischer Phantasie, die einen gewissen 
Reiz ausüben mag, aber im Grunde doch des Leitfadens fester 
Begriffe und schärferer Unterscheidungen entbehrt. Zwar wird, 
wie schon vorher bemerkt, diese Art und Weise durch das 
Gebiet, in welchem sic sich bewegt, einigermaassen gezügelt. 
Sie wmd nämlich soweit eingeschränkt, als Schätzungen, Zahlen 
und ein rechnender Sinn, welchem die Satzungen des gesunden
	        
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