Allgemeine Volkswirtschaftslehre
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welche sie nicht übergreifen kann; dazu kommt, daß auch die
Verwaltungskapazität des Staates ihre Grenzen hat. Man mag
den Staats- oder Kommunalsozialismus als einen Zukunftstraum
hinstellen. Wissenschaftlich läßt seine bisherige Entwicklung,
die gewiß eine äußerst verwickelte und umfassende ist, wenn
sie auch noch weit davon entfernt bleibt, sich auf das ganze
Wirtschaftsleben zu erstrecken, den Schluß auf dessen wahrscheinliche
Verallgemeinerung in der Zukunft nicht zu. Das
Ereiheitsbedürfnis ist in unsern demokratischen Staaten für die
Individuen wie für die Kollektivitäten ein großes geworden.
Die bestehenden Genossenschaften und Gewerkvereine werden
nicht freiwillig auf ihre Unabhängigkeit verzichten und die
Zwangsdisziplin des Kollektivismus annehmen. Der soziale Zustand,
der sich aus den zeitgenössischen Verhältnissen heraus
entwickelt, und der durch das Aufblühen und die Macht der
wirtschaftlichen Genossenschaften gekennzeichnet wird, bereitet
der Verwirklichung des Kollektivismus, des Staats- und des
Kommunalsozialismus mehr Hindernisse, als der Zustand von
unorganisiertem Individualismus, der aus der Revolution hervorging
l ).
Die Verwirklichung des korporativen oder sozietären Sozialismus
ist sowohl in der Richtung der Produktivgenossenschaften,
als in derjenigen der Konsumvereine denkbar. Die bisherige
Entwicklung der Dinge spricht gewiß nicht zugunsten eines irgendwie
erheblichen Fortschreit ens der Produktivgenossenschaften.
Die Konsumvereinsbewegung dagegen hat zweifellos eine beachtenswerte
Erfahrung für sich; auch scheint es wahrscheinlich,
daß sie noch große Produktionsgebiete erobern wird. Im Vergleiche
zum Kapitalismus sind aber deren Fortschritte noch
schwache; in Amerika hat sie sich überhaupt noch nicht eingebürgert.
Zudem wird sie immer auf diejenigen Gewerbezweige
verzichten müssen, die sich ihrer Natur nach nicht zur
ausschließlichen Benützung durch ihre Mitglieder eignen, z. B.
Eisenbahnen, Seeschiffahrt, große Textilindustrie usw. Jedenfalls
ist aber auch die moderne Gesellschaft ein viel zu komplexes
Milieu, als daß eines der Elemente derselben, also z. B.
die Konsumvereine, sich alle andern unterwerfen oder dieselben
b ibid. p. 334 ft.
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich.
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