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Der Interventionismus an den Universitäten
Herabsetzung des Zinsfußes ist verwerflich, weil, auch an
genommen, ein niedriger Zinsfuß sei immer eine Ursache und
ein Zeichen von Volkswohlstand, keine gesetzliche Maßnahme
ihn zu verwirklichen vermag. Die Reglementierung der Gewerbe
hat den Nachteil, den Erfindungsgeist zu schädigen, ohne dem
nationalen Gewerbe immer den Sieg über die fremde Konkurrenz
zu sichern. Die Getreideausfuhr verb ote vermögen weiter nichts
— wenn sie auch in Kriegszeiten zu entschuldigen sind — als
den Ackerbau zugrunde zu richten und Hungersnöte zu erzeugen.
Die Privilegien sind zu verteidigen, wenn es sich darum handelt,
neue Industriezweige zu belohnen, aber die moderne Einrichtung
der Patente ist weit zweckentsprechender. Die Luxusgesetze
sind gefährlich für den Fortschritt, weil häufig was heute Luxus
ist, morgen Allerweltsgut sein kann ; sie sind aber auch unwirk
sam, wie eine Jahrhunderte alte Erfahrung lehrt. Die einzige
Maßnahme merkantilistischer Wirtschaftspolitik, die noch heute
diskutabel ist, ist der Protektionismus, d. h. die Intervention des
Staates, um die nationale Produktion in eine Lage zu setzen, die
jener des fremden Wettbewerbs gleich sei 1 ).
Der merkantilistische Protektionismus war wesentlich ein
solcher der Industrie. Schien ein Interessengegensatz zwischen
Ackerbau und Industrie zu bestehen, so wurde regelmäßig
ersterer der letzteren geopfert. Dubois läßt es dahingestellt
sein, ob dieses Verfahren richtig war. Jedenfalls, meint er,
konnte es nicht ewig währen, denn ein dauernder Fortschritt
der Industrie ist ohne eine gleichzeitige Aufwärtsbewegung der
Landwirtschaft nicht denkbar. Immerhin haben die Merkanti
listen recht gehabt, an die Zukunft der Industrie ihrer Länder
zu glauben. Aber aus der Tatsachenbeobachtung allein ist die
Frage nicht zu lösen, ob die französische und die englische In
dustrie ihren tatsächlichen Aufschwung dem Protektionismus
verdanken. Seine Ansicht über diesen Punkt formuliert Dubois
dahin, daß der internationale Freihandel als Ideal und sogar
als normale Regel anzusehen sei, der Protektionismus aber —
abgesehen von dem unbedingt zu verurteilenden Prohibitionis
mus — in einem gegebenen Augenblick für ein Volk nötig sein
könne. Die unmittelbaren Opfer, die ein Land sich durch einen
b ibid. p. 266 ff.