Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Wirtschaftliche  Ideen-  und  Tatgeschichte

An  zweiter  Stelle  gewahren  wir  eine  immer  weiter  gedeihende ­
  Aufteilung  der  Volkswirtschaftslehre  in  selbständige
Zweigwissenschaften,  deren  Zusammenhang  ein  immer  loserer
wird.  Die  Preistheorie  und  die  Verteilungslehre  haben  eine  Entwicklung ­
  genommen,  die  eine  Verselbständigung  beider  rechtfertigt ­
  ;  die  Sozial  Ökonomie  hat  sich  ihr  Gebiet  abgesteckt  und
führt  ein  eigenes  Dasein,  die  Bevölkerungslehre  hat  die  Proportionen ­
  einer  besonderen  Disziplin,  die  sich  Demographie  nennt,
angenommen  ;  die  Steuerlehre  ist  zur  Finanz  Wissenschaft  geworden; ­
  die  Statistik  hat  ihre  eigenen  Methoden  und  übergießt
alle  übrigen  Gebiete  mit  reichem  Lichte;  die  Beschreibung  des
kommerziellen  und  industriellen  Mechanismus,  der  Banken  und
der  Börsen,  die  Klassifizierung  der  Gewerbe  und  das  Studium
ihrer  Umwandlungen  verhalten  sich  zur  Nationalökonomie  wie
die  Zoologie,  die  beschreibende  Botanik  oder  die  Morphologie
zur  Naturgeschichte.
Ein  Gebiet  aber  bleibt,  auf  dem  die  Verschiedenheit  und
der  Kampf  fortdauern  und  wahrscheinlich  nie  aufhören  werden  :
die  Wirtschafts-  und  Sozialpolitik.  Das  Bild,  das  die  Nationalökonomie ­
  in  der  Zukunft  zweifellos  bieten  wird,  wird  darum
sein:  auf  dem  Gebiete  der  Wissenschaft,  zunehmende  Einheit
und  zunehmendes  Zusammenarbeiten,  dank  der  Vervollkommnung ­
  der  Methoden  ;  auf  dem  Gebiete  der  Praxis,  Mannigfaltigkeit ­
  und  Kampf  um  das  Übergewicht  zwischen  den  verschiedenen
wirtschaftlichen  Idealen 1 ).
9  Gide  und  Rist  beschließen  ihr  Lehrbuch  mit  einem  höchst  beachtenswerten, ­
  aktuellen  Appell  zugunsten  der  Freiheit  der  Wissenschaft.  Wir  halten
ihn  für  wichtig  genug,  um  hier  in  wortgetreuer  Übersetzung  mitgeteilt  zu  werden  :
„Wessen  Wissenschaft  und  Unterricht  am  meisten  bedürfen  um  sich  zu  entwickeln, ­
  ist  breite  und  volle  Freiheit;  Freiheit  in  den  Methoden,  Freiheit  in  den
Theorien,  Freiheit  in  den  Idealen  und  Systemen,  denn  diese  sind  manchmal  wertvolle ­
  Stimuli  der  wissenschaftlichen  Forschung,  indem  sie  die  Gefühle  ins  Treffen
führen.  Nichts  wäre  der  Wissenschaft  schädlicher  als  Dogmatismus,  woher  er
auch  kommen  mag.  Leider  ist  hierin  keine  Schule  und  kein  Land  vor  Kritik
gesichert.“
„Schon  Sismondi  klagte  den  triumphierenden  Liberalismus  an,  die  Nationalökonomie ­
  in  eine  Orthodoxie  umzuwandeln.  Aber  der  Liberalismus  ist  nicht  der
einzige,  der  einen  solchen  Vorwurf  verdiente.  Vor  wenigen  Jahren  erklärte  in
Deutschland  der  Führer  der  historischen  Schule,  Schmoller,  in  einer  Berliner
Rektoratsrede,  daß  man  in  Zukunft  weder  reine  Marxisten  noch  reine  Smithianer
zum  öffentlichen  Unterricht  zulassen  könne.  Sollte  die  deutsche  historische
            
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