Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

abstrakten  Räsonnements  als  eine  Beobachtungswissenschaft
ist.  Das  Gegenteil  haben  diejenigen  behauptet,  welche  die  reine
mit  der  angewandten  Wissenschaft,  also  die  Wissenschaft  mit
der  Kunstlehre  verwechselt  haben.  Die  eigentliche  Wissenschaft
geht  von  einer  kleinen  Zahl  allgemeiner  Tatsachen  aus  und
kommt  durch  Deduktion  zu  allen  ihren  Folgerungen“  *).  Mit
denjenigen,  „welche  die  reine  mit  der  angewandten  Wissenschaft ­
  verwechselt  haben“,  ist  in  erster  Linie  Adam  Smith
gemeint.  Rossi  führt  diesen  Gedankengang  weiter,  indem  er
innerhalb  des  wirtschaftlichen  Wissensgebietes  drei  Gruppen
von  Ideen  und  Tatsachen  unterscheidet:  1.  diejenigen,  welche
die  rationelle  Volkswirtschaftslehre  ausmachen;  2.  das  Gebiet
der  angewandten  Wissenschaft  und  3.  solche  Ideen  und  Tatsachen, ­
  die  in  erster  Linie  der  Moral  und  der  Politik  angehören, ­
  aber  in  wirtschaftlichen  Dingen  eine  Rolle  spielen.
„Die  rationelle  Volkswirtschaftslehre  ist  die  Wissenschaft,
welche  die  Natur,  die  Ursachen  und  die  Bewegung  des  Reichtums ­
  untersucht,  indem  sie  von  allgemeinen  Tatsachen  der
menschlichen  Natur  und  der  Außenwelt  ausgeht.  Diese  allgemeinen ­
  Tatsachen  sind  im  wesentlichen  folgende  :  Unsere
Macht  über  die  Dinge  vermittels  der  Arbeit;  unsere  Neigung
zum  Sparen,  wenn  ein  genügendes  Interesse  uns  dazu  veranlaßt  ;
unsere  Neigung  zur  Vereinigung  unserer  Tätigkeit  und  unserer
Kräfte;  unsere  Eigentums-  und  Tauschinstinkte.  Das  sind  Tatsachen, ­
  welche  zu  allen  Zeiten  und  an  allen  Orten  existieren,  es
sind  allgemeine  Tatsachen  des  Wirtschaftslebens.  Aus  ihnen  geht
die  allgemeine,  rationelle,  unveränderliche  Wissenschaft  vom
Reichtum  hervor.  Auf  der  einen  Seite:  die  Dinge  und  ihre
Eigenschaften,  auf  der  andern  :  der  Mensch  mit  seinen  intellektuellen ­
  und  physischen  Kräften.  Diese  beiden  Elemente  sind
nun  verbunden  durch  Neigungen  und  Bedürfnisse  unserer  Natur,
deren  Intensität  und  Umfang  wechseln  kann,  die  aber  der  ganzen
Menschheit  gemeinsam  sind 2 ).“
Die  angewandte  Volkswirtschaftslehre  hat  denselben  Gegenstand ­
  wie  die.  reine  Wissenschaft:  die  Güterwelt.  Sie  betrachtet
diese  jedoch  nicht  vom  allgemein  menschlichen,  sondern  von

b  Rossi,  loe.  eit.  p.  225  i.
b  Rosst,  ibid.  p.  224  n  ff.
            
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