18
Die liberale Schule
abstrakten Räsonnements als eine Beobachtungswissenschaft
ist. Das Gegenteil haben diejenigen behauptet, welche die reine
mit der angewandten Wissenschaft, also die Wissenschaft mit
der Kunstlehre verwechselt haben. Die eigentliche Wissenschaft
geht von einer kleinen Zahl allgemeiner Tatsachen aus und
kommt durch Deduktion zu allen ihren Folgerungen“ *). Mit
denjenigen, „welche die reine mit der angewandten Wissenschaft
verwechselt haben“, ist in erster Linie Adam Smith
gemeint. Rossi führt diesen Gedankengang weiter, indem er
innerhalb des wirtschaftlichen Wissensgebietes drei Gruppen
von Ideen und Tatsachen unterscheidet: 1. diejenigen, welche
die rationelle Volkswirtschaftslehre ausmachen; 2. das Gebiet
der angewandten Wissenschaft und 3. solche Ideen und Tatsachen,
die in erster Linie der Moral und der Politik angehören,
aber in wirtschaftlichen Dingen eine Rolle spielen.
„Die rationelle Volkswirtschaftslehre ist die Wissenschaft,
welche die Natur, die Ursachen und die Bewegung des Reichtums
untersucht, indem sie von allgemeinen Tatsachen der
menschlichen Natur und der Außenwelt ausgeht. Diese allgemeinen
Tatsachen sind im wesentlichen folgende : Unsere
Macht über die Dinge vermittels der Arbeit; unsere Neigung
zum Sparen, wenn ein genügendes Interesse uns dazu veranlaßt ;
unsere Neigung zur Vereinigung unserer Tätigkeit und unserer
Kräfte; unsere Eigentums- und Tauschinstinkte. Das sind Tatsachen,
welche zu allen Zeiten und an allen Orten existieren, es
sind allgemeine Tatsachen des Wirtschaftslebens. Aus ihnen geht
die allgemeine, rationelle, unveränderliche Wissenschaft vom
Reichtum hervor. Auf der einen Seite: die Dinge und ihre
Eigenschaften, auf der andern : der Mensch mit seinen intellektuellen
und physischen Kräften. Diese beiden Elemente sind
nun verbunden durch Neigungen und Bedürfnisse unserer Natur,
deren Intensität und Umfang wechseln kann, die aber der ganzen
Menschheit gemeinsam sind 2 ).“
Die angewandte Volkswirtschaftslehre hat denselben Gegenstand
wie die. reine Wissenschaft: die Güterwelt. Sie betrachtet
diese jedoch nicht vom allgemein menschlichen, sondern von
b Rossi, loe. eit. p. 225 i.
b Rosst, ibid. p. 224 n ff.