Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Buch  IV.
Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen
und  Soziologen.

1.  Kapitel.
Überblick.
Der  Philosoph  Condorcet  war  der  erste,  welcher  der
physiokratischen  Auffassung  entgegentrat,  die  volkswirtschaftlichen ­
  Naturgesetze  seien  die  unveränderlichen  Komponenten
einer  prästabilierten  Wirtschaftsordnung.  Für  ihn  sind  die  gesellschaftlichen ­
  und  folglich  auch  die  volkswirtschaftlichen  Naturgesetze ­
  Regelmäßigkeiten  in  der  Aufeinanderfolge  der  Erscheinungen, ­
  deren  Geltungsbereich  durch  die  örtlichen  und  zeitlichen
Bedingungen  eines  historisch  gewordenen  Milieus  begrenzt  wird.
Sie  vertragen  sich  sehr  gut  mit  der  Einmischung  des  Staates
ins  Wirtschaftsleben  ;  ja  die  Kunstlehre  oder  Politik  (Art  social),
deren  Ausbau  Condorcet  anstrebt,  will  eine  Systemisierung
jener  Einmischung  sein.  Aufgabe  des  „Art  social“,  sagt  Condorcet, ­
  ist,  die  unveräußerlichen  Menschenrechte  mit  der
größtmöglichen  Gerechtigkeit  und  in  der  weitest  möglichen
Ausdehnung  zu  garantieren.  Um  diese  Aufgabe  zu  erfüllen,
genügt  es  keineswegs,  die  formale  Gleichheit  der  Rechte  zu
sichern.  Das  Wesentliche  ist  vielmehr  die  graduelle  Beseitigung
des  Intervalls,  der  zwischen  der  rechtlichen  Gleichheit  und  der
tatsächlichen  Ungleichheit  besteht.  Diese  Ungleichheit  ist  eine
dreifache:  1.  die  Ungleichheit  des  Besitzes;  2.  die  Ungleichheit
der  Lage  zwischen  denen,  welche  nichts  besitzen  als  ihre  Arbeit,
            
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