Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die „interpsychologische " Grundlegung der Nationalökonomie 489 
wohnheit in den Kreis der eingeketteten Begehren sich einzu 
gliedern strebt. Jedes Bedürfnis nimmt seinen Anfang mit 
irgend einer Erfindung, denn nur durch eine solche entsteht das 
Begehren nach dem betreffenden Ding. Die Verbreitung eines 
jeden Begehrens geschieht durch Nachahmung 1 * ). 
Die Leichtigkeit und Promptheit, mit denen sich die ver 
schiedenen Ordnungen von Begehren ausbreiten, ist sehr un 
gleich. Es gibt Begehren, die in dem Maße stärker und inten 
siver werden, in dem sie sich durch Gewohnheit oder Umsich 
greifen verbreiten. Die passiven, d. s. die Verbrauchsbegehren 
haben im allgemeinen eine geringere Tendenz bei ihrer Ver 
breitung intensiver zu werden, als die ihnen entsprechenden 
aktiven oder Produktionsbegehren. Das Begehren, Musik zu 
machen, wächst rascher als das, solche zu hören. Es liegt also 
in der Natur der Dinge, daß die produktive Tätigkeit in jeder 
Ordnung rascher fortzuschreiten sucht, als die entsprechende 
Verbrauchsbegierde, und daher hie und da gezwungen ist 
anzuhalten, um diese zu erwarten. Daher die Häufigkeit der 
Krisen a ). 
Jedem Begehren geht ein Empfinden oder ein Urteil vor 
aus, welche dahin gehen, daß ein gewisses Ding möglich und 
begehrenswert ist. Diesem Empfinden oder Urteil folgt das Be 
gehren; beide zusammen machen ein Bedürfnis aus. Der Volks 
wirt darf der Einwirkung dieser Urteile oder Anschauungen auf 
die Begehren, der Macht, die sie haben, Verbrauchs- oder Pro 
duktionsbegehren in den Herzen der Menschen zu wecken, seine 
Aufmerksamkeit nicht versagen. Die Begehren wirken hin 
wiederum auch auf die Anschauungen ein. Das Begehren nach 
Zeitungslektüre erzeugt z. B. die Anschauung, daß eine unbe 
grenzte Preßfreiheit unschädlich ist. Endlich verbinden sich 
Begehren und Anschauungen als Ober- und Untersatz eines 
Syllogismus, dessen Schlußfolgerung der Ausdruck einer Pflicht 
zum Handeln, eines Wollens oder direkt eine Handlung ist. 
Das ganze Handeln des Menschen geht ans solchen, meist un 
bewußten Syllogismen hervor 3 ). 
1) ibid. p. 162 ff. 
2 ) ibid. p. 173. 
3 ) ibid. p. 185.
	        
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