Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen  und  Soziologen

Tarde  seine  Lehre  vom  wirtschaftlichen  Wert  *).  Die  Erfindungen
erzeugen  die  Begehren,  die  Begehren  den  Wert.  Die  Erfindungen
sind  dessen  erste  Quelle  2 ).  Der  Wert  ist  das  Ergebnis  entweder
eines  Konfliktes,  oder  eines  Zusammenwirkens  von  Anschauungen
und  Begehren.
Nehmen  wir  zunächst  den  Wert,  der  das  Ergebnis  eines
Konfliktes  von  Begehren  und  Anschauungen  ist,  d.  h.  den  Preis
oder  Kostenwert,  den  Tarde  auch  wohl  valeur-lutte  nennt.
Robinson  hat  das  Begehren  nach  einem  Hasen  und  das
Begehren  nach  einem  Fisch.  Er  kann  aber  zu  gleicher  Zeit
nur  den  einen  von  beiden  haben.  Es  findet  ein  Kampf  zwischen
beiden  Begehren  in  seiner  Seele  statt.  Die  Befriedigung  des
einen  bezw.  der  Erwerb  des  Hasen  ist  nur  möglich  um  den
Preis  des  Verzichtes  auf  das  andere  Begehren  bezw.  auf  den
Erwerb  des  Fisches.  Der  Hase  kostet  den  Fisch.  Der  Wert
in  der  hier  gemeinten  Bedeutung,  d.  h.  der  Kostenwert  oder
Preis,  ist  also  das  Resultat  des  Konfliktes  zwischen  zwei  oder
mehreren,  bewußten  oder  unbewußten,  „teleologischen“  Syllogismen, ­
  von  denen  jeder  ein  empfundenes  Bedürfnis  zum  Obersatz, ­
  ein  Urteil  über  ein  Mittel  zu  dessen  Befriedigung  zum
Untersatz,  und  die  Pflicht,  dieses  Mittel  zu  erwerben  oder  zu
behalten,  zur  Schlußfolgerung  hat.  Bei  dem  Konflikte,  der  entbrennt, ­
  muß  eine  dieser  Pflichten  der  andern  geopfert  werden.
Bis  hierher  ist  der  Kostenwert  eine  innere,  individualpsychologische ­
  Erscheinung,  welche  in  dem  innern  Schwanken
zwischen  zwei  Gütern,  das  durch  den  Verzicht  auf  das  eine  derselben ­
  beendet  wird,  besteht.  Um  von  diesem  intra-individuellen
zu  dem  äußern,  sozialen  Sinne  des  Kostenwertes  zu  gelangen,
genügt  es,  daß  die  beiden  Güter,  zwischen  denen  gezaudert
wird,  im  Besitz  zweier  verschiedener  Personen  gedacht  seien.
In  diesem  Fall  ist  das  Begehren  nach  einem  Gute,  das  ein
anderer  besitzt,  nur  durch  Tausch  zu  befriedigen.  Über  die
Momente,  welche  zur  Bestimmung  des  Kostenwertes  oder  Preises

1)  Über  „Die  Gesetze  der  Erfindung 1 '  und  über  den  „wirtschaftlichen
Wert“  siehe  auch  Tarde,  La  Logique  sociale,  2.  Auflage,  Paris  1898,  cap.  4
p.  151  ff.  bezw.  cap.  8  p.  356  ff.
2 )  Tarde,  Psychologie  économique,  Bd.  I,  p.  167  ;  La  Logique  sociale.
            
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