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importierten Anthropogeographie zu arbeiten x ). Die letzte Unter
abteilung, Fragen der Praxis, bietet Vorlesungen mit anschließen
der Diskussion über aktuelle, volkswirtschaftliche Themata. Hier
lesen z. B. der Le Playschüler Paul Bureau über die Be
rechtigung des Grundeigentums und die Bodenverteilung in den
verschiedenen Ländern, der Professor an der Pariser Rechts
fakultät Souchon, der Sozialist Rouan et und der Gewerk
schaftssekretär K e ü f e r über den gesetzlichen Minimallohn usw.
In den Abendstunden (8—10 Uhr) finden an der Ecole des
Hautes Etudes sociales häufig Vorträge statt über wirtschafts-
und sozialpolitische Tagesfragen, z. B. über Arbeiterausstände
von beteiligten Gewerkschaftspräsidenten oder Arbeitersekretären.
Diese Vorträge sind meist stark besucht. 1901—1902 dienten
sie der Propaganda für den Solidarismus von L. Bourgeois,
seither häufig dem Werben für sozialistische Ideen.
Es bleibt noch hervorzuheben, daß der Sozialist Georges
lienard, Professor am Collège de France und am Conservatoire
national des Arts et Métiers, an der Ecole des Hautes Etudes
sociales ein Seminar abhält, in dem er wissenschaftliche Arbeiten
leitet, die sich an seine Vorlesungen über Geschichte der Arbeit
an erstem Anstalten anschließen.
Die Gründung des Collège libre des Sciences sociales und
der Ecole des Hautes Etudes sociales bedeutet eine Reaktion
gegen die staatliche Unterrichtsreform von 1895, welche den
Unterricht der volkswirtschaftlichen Fächer den juristischen
Fakultäten zuwies. In dem Lehrplan und der Organisation der
beiden Anstalten ist die soziologische Auffassung zum Ausdruck
gebracht, daß die politische Ökonomie als Zweig der Sozial
wissenschaft ihren natürlichen Platz im Kreise philosophischen
Unterrichts habe.
J ) Siehe oben p. 352.