Schlusswort.
Am Ende unseres Rundgangs durch die französische
Nationalökonomie drängt sich naturgemäß die Frage auf:
Welches sind die allgemeinen Schlußfolgerungen, die sich aus
dem vor unsern Augen entrollten Gesamtbild ergehen? Wir
sind uns der Gefahr vorzeitiger Verallgemeinerung, welcher jede
Beantwortung dieser Frage ausgesetzt ist, bewußt, und verhehlen
uns nicht, daß große Vorsicht dabei not tut. Immerhin scheint
uns, daß einige Schlußfolgerungen gewagt werden können.
Unsere Darstellung hat in erster Linie gezeigt, daß in bezug
auf die Methode kein Gegensatz zwischen den beiden großen
Lagern, in die sich die Nationalökonomen in Frankreich spalten,
besteht. Wir haben Beobachtung und Geschichte bei den Indi
vidualisten wie bei den Interventionisten angetroffen, genau wie
wir aphoristische Ausgangspunkte und deduktives Räsonnement
hüben und drüben vorfanden. „Man kann den Individualismus,“
schreibt Professor Dolléans, „ebenso gut auf Beobachtung und
Geschichte gründen, wie andere volkswirtschaftliche Lehren.
Die gründliche Analyse der verschiedenen Anschauungen zeigt
uns, daß deren Geschmeidigkeit und Komplexität weniger von
der Etikette abhängen, mit der man sie schmückt, als vom
wissenschaftlichen Geiste desjenigen, der sie verteidigt. Die Wahl
einer Doktrin wird durch Gefühlsmomente, Interessen, Erziehung
und Milieu bestimmt; der wissenschaftliche Charakter der ge
wählten Doktrin, d. h. deren Wahrheitsgehalt, hängt dagegen
von der Bildung und der intellektuellen Tüchtigkeit jener ab,
che sie vertreten 1 ).“ Individualisten, wie Leroy-Beaulieu
und Levasseur, um nur die hervorragendsten herauszugreifen,
haben in unsern Tagen die Wissenschaft durch induktive For-
’) Ed. DolUans, Rezension von A. Schatz, L’Oeuvre économique de David
Hume, in Revue d'Economie ‘politique, 1906, p. 407.